Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, bedeutet das für Animefans nicht nur den Beginn des Herbstes. Auch eine neue Anime-Season startet. Im ersten Teil meiner Herbst-Ersteindrucksreihe erwarten Anime-Fans wieder einige hochkarätige Titel, darunter zahlreiche Fortsetzungen beliebter Serien. Den Anfang macht ein Dark-Romance-Epos, eine langersehnte Fortsetzung und der nächste eventuelle Südkorea-Hit.
Firefly Wedding
Satoko Kirigaya besitzt alles, was sich eine Adlige wünschen könnte, nur nicht genug Zeit. Da ihr Leben bald enden wird, möchte sie gut heiraten und ihren Vater stolz machen. Doch als der skrupellose Auftragsmörder Shinpei Goto sie entführt, macht sie ihm ein verzweifeltes Angebot: Er soll sie heiraten. Shinpei willigt ein, entwickelt jedoch eine gefährliche Besessenheit für sie. Nun muss sich Satoko zwischen ihrer Pflicht und einer Liebe entscheiden, die sie beide verschlingen könnte. (Synopisis via Crunchyroll)
Die erste Folge von Firefly Wedding ist schwierig zu bewerten. Denn eigentlich macht sie vieles richtig: Die Prämisse wird erklärt (Adlige hat nicht mehr lange zu leben, muss aber verheiratet werden, wird entführt), die Charaktere werden eingeführt (Sakoto und Shinpei), die Action sieht gut aus und generell wirkt die Produktion dank David Production (JoJos Bizarre Adventure) hochwertig. Aber trotzdem fühle ich Firefly Wedding nicht. Und es wird einiges benötigen, um mich dazu zu bringen, die Serie weiterzuverfolgen.
Denn trotz der erwachsenen Prämisse und Handlungen (TW: attempted rape) versucht der Anime, auch eine gewisse Lockerheit mit dezenten Comedyeinlagen aufzuspielen, die einfach fehl am Platz wirken. Gerade am Anfang der Episode erzählt Sakoto in inneren Dialogen von ihren Gefühlen und auch das Gespräch mit ihrer Schwester (die nichts für sie übrig hat, richtig sympathisch) hat seine ernsten Momente. Und dann wird gefühlt herumgealbert und diverse Themen werden ad absurdum geführt. Allerdings nicht eindeutig sichtbar, aber man merkt das.
Es haben schon viele Anime gezeigt, wie man ernsthafte Themen mit Comedy vermischen kann. Allerdings ist auch das Gegenteil der Fall und Firefly Wedding scheint sich wohl auf dieser Seite wohlzufühlen. Faszinierend zu sehen, wie viele (klassische) Shounen und Shoujo es nicht schaffen, eine gelungene Kombination aus Ernsthaftigkeit und lustigen Szenen zu schaffen.
Weswegen es Firefly Wedding bei mir aber sehr schwer haben wird, ist der männliche Hauptcharakter: Der Auftragsmörder/Assassine Shinpei Goto ist in der ersten Episode eine absolut unsympathische und nichtssagend geschriebene Person. Gepaart mit den gemeinsamen Interaktionen der Episode bleibt für mich nur die Frage, wie man so ein Paar schreiben kann. Denn ja: Die Prämisse ist absolut abstrus.
Und das ist richtig schade. Denn optisch macht Firefly Wedding einiges her, hat tolle Hintergründe und generell ein gelungenes Charakterdesign. Und das Key Visual ist wunderschön, hat mich sogar dazu gebracht die Serie zu schauen. Die elektronische Musik im Kampf hat mich zwar aus der Spur gebracht (und damit 0 gepasst), aber in den ruhigen Momenten war es wieder in Ordnung.
Firefly Wedding erscheint ab Freitag, dem 9. Oktober wöchentlich mit einer Episode.
Black Clover Staffel 2
Als das Clover-Königreich in Tyrannei versinkt, starten Asta und die magischen Ritter einen verzweifelten Angriff auf das Spade-Königreich, um ihre Ordensführer aus den Fängen der Dunklen Triade zu befreien. Doch dort erwarten sie mächtigere Gegner als je zuvor. Asta muss über sich hinauswachsen, um seine Freunde zu beschützen und sein Versprechen an Yuno zu halten. (Synopsis via Crunchyroll)
2.013 Tage. Oder 5 Jahre und 6 Monate. So lange hat es gedauert (mit einem Kinofilm dazwischen), um sagen zu können: Schreihals Asta ist zurück! Als wäre er nie weg gewesen. Denn Black Clover Staffel 2 macht nach einer kurzen Rückblende genau da weiter, wo die erste Staffel endete:
Dante, ein Mitglied der Dark Triade, wird besiegt, Yami und Vangeance werden entführt. Das Geheimnis um Asta und Liebe wird gelüftet und es geht zum Gegenschlag gegen das Königreich Spade.
Und ja, Black Clover Staffel 2 fühlt sich so an, als wäre die Serie nie weg gewesen. Erneut ist Studio Pierrot für die Animation zuständig und zeigt auch mit der ersten Episode, dass das Studio mit seinen Mitarbeitenden Shounen-Anime kann. Besonders hat mir das Sounddesign gefallen. Das Klappern von Astas Dämonenschwert sowie die generelle Kampfkulisse sind erstklassig umgesetzt.
Man muss aber wirklich betonen: Es ist eine Fortsetzung. Es ist also zu empfehlen, die erste Staffel (170 Episoden, ebenfalls auf Crunchyroll) gesehen zu haben.
Schaut man sich die verbleibenden 60 Kapitel an, zeigt das eigentlich ganz gut, wohin die Reise von Black Clover beziehungsweise Staffel 2 gehen wird: zum Serienfinale. Man darf also gespannt sein, was noch kommen wird und wie das Ende adaptiert wird.
Black Clover erscheint ab dem Samstag, dem 3. Oktober jede Woche auf Crunchyroll.
Overgeared
Grid hat das größte Pech und steckt bis über beide Ohren in Schulden. Sein einziger Ausweg? Ein VR-Spiel, in dem die Spieler Ruhm und Reichtum in der realen Welt erlangen können – doch selbst dort hat er zu kämpfen. Das ändert sich jedoch, als eine anspruchsvolle Quest dazu führt, dass er zum Erben eines legendären Schmieds wird. Seine Werte werden auf Null zurückgesetzt, doch er steigt im Level auf und fertigt einige wirklich göttliche Gegenstände an.(Synopsis via Crunchyroll)
Neue Season, neuer Game-Themed-Animedrop. Nun mit Overgeared, einer Webtoon-Adaption. Dieses Mal mit einem Spiel, das so groß und einflussreich ist, dass es sogar den sozialen Status in der Echtwelt widerspiegeln kann.
Mittendrin ist ein Spieler namens Grid, der wie durch Zufall über einen NPC ein Questitem erhält, das ihm den Rang eines legendären Schmiedes gibt. Inklusive Klassenwechsel und Levelneustart auf 1. Denn Satisfy, so der Name des Spiels, hat eine eigene KI namens Morpheus und diese hat vorhergesagt, dass das Item erst in zwei Jahren entdeckt werden sollte.
Nun wird Grid in der ersten Folge als Level-1-Player in eine Instanz geworfen, deren Gegnerin, eine echte Spielerin ungefähr Level 230 hat. Und was macht er? Er loggt sich aus.
Overgeared bedient sich in der ersten Folge vieler klassischer Tropes. Egal, ob es sich um die klassische Zero-to-Hero-Geschichte, die kleine Schwester oder den Background des Hauptcharakters handelt. Vieles ist altbekannt und altbewährt. Was allerdings schon in Folge 1 auffällt, ist der Humor: So versucht der Titel, Comedy zu bieten, scheitert aber daran, diese auch lustig zu machen.
Animiert wird der Titel erneut von J.C. Staff und ist … okay. Wie im Isekai-Genre haben männliche Webtoon-Charaktere allesamt den gleichen Look. Generisch, aber „solide“. Die Action ist ebenfalls ordentlich inszeniert, mehr aber eben auch nicht.
Übrigens: Wie auch schon bei anderen Webtoon-Adaptionen aus Südkorea gibt es bei Overgeared Anpassungen. Denn Grid heißt im Original nicht Grid, sondern Shin Youngwoo. Der Titel spielt auch nicht in Japan, sondern in Südkorea.
Alles in allem ein solider Titel für Fans, der in der ersten Folge keine größeren Überraschungen bietet.
Overgeared erscheint ab dem Montag, dem 28. September wöchentlich nur auf Crunchyroll.
Weitere Eindrücke:
FX Fighter Kurumi-chan
Kaufen! Verkaufen! Profit schlagen… oder alles verlieren! Die Studentin Fukuga Kurumi stürzt sich in die schnelllebige Welt des Devisenhandels, um die 20 Millionen Yen zurückzugewinnen, die ihre Mutter einst verlor. Gemeinsam mit ihren Trader-Freundinnen Mochiko, Mebuki und Yasuko kämpft sie gegen volatile Märkte, in denen jede Entscheidung zu Reichtum oder Ruin führen kann! (Synopsis via Crunchyroll)
Wenn Anime sich in etablierten Gruppen herumsprechen, dann weiß man eigentlich, dass man dessen Zielgruppe mit Sicherheit erreicht hat. Dank eines Trailer-Teilens auf r/Finanzen und r/WallStreetBets hat mit Sicherheit so manch ein Sparfuchs und Anleger von diesem Anime mitbekommen. Und auch nach dem Schauen der ersten Episode zeigt sich: Der Anime weiß, was er zeigen muss, um bei diesen Personen das Interesse zu wecken.
Und ja, mit FX Fighter Kurumi-chan haben wir wieder das Phänomen „CuteGirlsDoingCuteThings meets Special Interest Theme“. Und die Umsetzung ist … durchaus interessant?
Denn FX beziehungsweise Forex beziehungsweise Foreign Exchange beziehungsweise Fremdwährungswechsel beziehungsweise Devisenmarkt Fighter Kurumi-chan nimmt das Thema durchaus ernst. Bereits in der ersten Folge wird eine wilde Riege an schwer verdaulichen Themen wie Sucht, Totalverlust, Entzug und Überarbeitung angesprochen. Diese Themen im Kontrast zu den CGDCT-Charakterdesigns zu sehen, ist absolut verrückt, funktioniert aber erstaunlich gut.
So dient die erste Episode quasi als Prolog und erklärt uns die grundlegende Prämisse, die man schon aus der Synopsis herauslesen kann. Man darf also gespannt sein, welche Abenteuer und verschwenderischen Maßnahmen Kurumi noch erleben wird und wie viel Geld sie in Wirklichkeit verliert. Ich bin vor allem gespannt, wie die Serie es schaffen will, bei diesem Thema einen gewissen Fluff zu erzeugen und ob wir noch weitere menschliche Abgründe sehen werden.
FX Fighter Kurumi-chan erscheint ab dem 1. Oktober wöchentlich jeden Donnerstag. Nur auf Crunchyroll.
Reborn as a Space Mercenary: I Woke Up Piloting the Strongest Starship!
Takahiro Satou wacht in seinem Lieblings-Sci-Fi-Spiel als Captain eines mächtigen Raumschiffs auf. Als Söldner „Hiro“ bricht er zu den Sternen auf, führt Schlachten und findet Verbündete. Doch schon bald steht er vor einem großen Problem: Er hat kein Zuhause und, was noch wichtiger ist, keine kohlensäurehaltigen Getränke! Da gibt’s nur eins: sich ein Haus auf einem Planeten zu kaufen! (Synopsis via Crunchyroll)
Endlich ein Sci-Fi Isekai! Habe ich schon 2018 mit meinem Artikel „Das Isekai-Phänomen ist Fluch und Segen zugleich“ den großen Wunsch schon damals geäußert, mehr Isekai im Sci-Fi-Szenario zu sehen wollen, hat sich das im Laufe der Jahre kaum bewahrheitet. Ja, es gab vereinzelt Titel die man so einordnen konnte (Astra: Lost in Space) oder es gab Fantasy-Settings mit Sci-Fi gemischt. Aberes gab seit dem Erscheinen des Artikels erst einen richtigen futuristischen Sci-Fi Isekai mit den Tugenden eines klassischen Fantasy-Titels: I’m the Evil Lord of an Intergalactic Empire! Nun erscheint aber Reborn as a Space Mercenary: I Woke Up Piloting the Strongest Starship!. Hat sich das warten und hoffen gelohnt?
Nun …. die erste Episode war okay-ish. Neben einer grundsätzlichen Einordnung der Geschehnisse (MC kann sich nicht ausloggen, komplett unbekannte Person und Schiff in jedem Register), den ersten Kampf lernt man auch den ersten Charakter des Teams von Hiro (Elma) kennen. Die Dialoge zwischen den beiden sind ganz nett geschrieben, und joa … das war auch schon fast die komplette erste Episode. Und ja, sehr generisch, das Ganze.
Versteht mich nicht falsch, ich werde allein schon der Tatsache, dass es sich um Sci-Fi-Isekai handelt, weiter schauen – dafür liebe ich zu sehr Sci-Fi und so Elite: Dangerous-Style-Geschichten. Aber danach hat die Serie bis jetzt wenig zu bieten. Die Produktion? Sparflamme. Das Opening? Bis auf FLOW ebenfalls Sparflamme. A-CAT ist nicht bekannt, ein Animestudio für herausragend produzierte Anime zu sein und wenn auch im Vergleich zu anderen Serien Reborn as a Space Mercenary solide erscheint, hat man sich doch irgendwie mehr erhofft. Ein klarer Titel für hartgesottene Isekai-Fans und jene, die wie ich einfach nur Isekai in Space sehen möchten.
Reborn as a Space Mercenary: I Woke Up Piloting the Strongest Starship! erscheint wöchentlich Sonntags. Nur auf Crunchyroll.
Die Tagebücher der Apothekerin Staffel 3
Der Aufstand ist vorbei, doch in Ri kehrt nur selten Ruhe ein. Kaum nimmt Maomao ihr Leben als Apothekerin wieder auf, zieht sie ein ungewöhnliches Frühstück in ein neues Rätsel hinein. Während sich Gerüchte über eine unsterbliche Jungfrau und eine drohende Hungersnot verbreiten, führt die Suche nach Antworten sie schließlich weit über die Grenzen Ris hinaus. (Synopsis via Crunchyroll)
Endlich ist es wieder so weit! Eine der größten Animeüberraschungen der letzten Jahre geht weiter! Keine Frage: Als Mangaleser wusste ich, dass sich Maomao in der Animewelt durchsetzen wird. Aber so? Die Tagebücher der Apothekerin ist eingeschlagen wie eine Giftbombe bei den Animefans. Auf jeder Convention, in jeder Buchhandlung sieht man die Giftmischerin und weitere Charaktere, oft prominent platziert oder als Cosplay.
Nach einer längeren Wartezeit gibt es nun Staffel 3. Und diese geht ohne Pause direkt weiter. Hat man schon in der zweiten Staffel durchaus einiges an Politik erlebt, wirkt es so, als wolle man auch in Staffel 3 noch einen Schritt weitergehen. Diesmal liegt der Fokus unter anderem auf einer Heuschreckenplage. Auch Chou-u wird nach seiner Einführung eine größere Rolle spielen.
Maomaos Charakter ist schon einmalig geschrieben und es macht einfach Spaß, in die Welt der Apothekerin einzutauchen und all die verschiedenen Kombinationen aus leichter Mystery, Comedy und Drama zu erleben. Ich habe Stimmen gehört, die die zweite Staffel im Vergleich zur ersten nicht mochten. Ob sie mit der dritten zufriedener sein werden? Ich wage es zu bezweifeln. Alle anderen werden mit Die Tagebücher der Apothekerin weiterhin ihren Spaß haben.
Die Tagebücher der Apothekerin Staffel 3 erscheint wöchentlich freitags. Der zweite Cour ist für 2027 ebenfalls bestätigt. Nur auf Crunchyroll.