Synchronsprecher Anji Iwata im Interview

Auf der AnimagiC 2026 hatte ich die Möglichkeit, ein japanisches Synchontalent zu interviewen: Anji Iwata, die japanische Stimme von Yamada aus You and I Are Polar Opposites, stand meinen Fragen Rede und Antwort.

Herzlich willkommen in Mannheim! Ist es dein erstes Mal in Deutschland? Gibt es etwas, das du unbedingt erleben möchtest?

Tatsächlich ist es mein erstes Mal in Deutschland! Ich hatte mir vorgenommen, unbedingt Kartoffeln und Wurst zu essen. Der Besuch im Biergarten und das anschließende Dinner haben gezeigt, dass deutsches Essen nicht nur sehr vielfältig, sondern auch sehr lecker ist.

Mir hat außerdem das Stadtbild von Mannheim gefallen. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne morgens spazieren geht, und dabei ist mir die Mischung aus Natur und Stadt aufgefallen, die mir sehr gefällt.

Wie bist du Synchronsprecher geworden? Erzähl mir doch etwas über dich.

Da muss ich etwas ausholen: Damals in der Schule habe ich im Englischunterricht als Hausaufgabe das Buch Outliers von Malcolm Gladwell bekommen, in dem es um Erfolgsgeschichten verschiedener Menschen geht.

Dabei geht es nicht nur um die eigene Leistung, sondern auch darum, die sogenannten Opportunities, also die Chancen, die man im Leben bekommt, zu erkennen und zu nutzen. Danach habe ich überlegt, welche Möglichkeiten ich selbst habe.

Da meine Eltern beide Synchronsprechende sind und ich schon als Kind immer wieder mit im Studio dabei war, habe ich darin eine Chance für mich gesehen und beschlossen, darauf aufzubauen.

Gemessen an der Screentime ist Kentaro deine bisher größte Rolle. Wie kam es dazu und wie hast du reagiert, als du die Rolle bekommen hast?

Lange bevor feststand, dass ein Anime zu You and I Are Polar Opposites produziert wird, war ich bereits ein großer Fan des Mangas. Aus Eigeninitiative heraus habe ich dann eine Stimmprobe als Yamada an mein Management geschickt und gesagt: „Falls jemals eine Audition zu dieser Serie stattfinden sollte, hier ist meine Audioaufnahme für Yamada.“

Einige Zeit verging und da ich neben meiner Synchronarbeit auch studiere, saß ich eines Tages inmitten einer Vorlesung und wurde angerufen. Normalerweise bekomme ich immer E-Mails von meinem Management, weshalb ich sofort wusste, dass dieser Anruf wichtig sein musste.

Ich habe den Raum verlassen, den Anruf angenommen und dann die Zusage für die Rolle bekommen. Mein Jubelschrei war so laut, dass es mir im Nachhinein schon etwas peinlich war. *lacht*

Und ich muss sagen: Die Rolle passt wirklich zu deiner Stimme! Ich habe während des Interviews durchgehend Yamada vor Augen. 

Vielen Dank für das Kompliment! Das freut mich wirklich sehr. *lacht*

Gibt es Eigenschaften von Yamada , mit denen du dich identifizieren kannst?

Ich würde sagen, dass ich genauso eine ehrliche Haut wie Yamada bin. Außerdem ist Yamada jemand, der Situationen gerne mit dem Kopf durch die Wand löst und sich anschließend korrigieren muss. Das mache ich tatsächlich auch sehr gerne.

You and I Are Polar Opposites hat auch eine deutsche Synchronisation bekommen. Hattest du bereits die Möglichkeit, mit deinem deutschen Counterpart zu sprechen oder sogar in die Synchronisation reinzuhören?

Für das heutige Panel mit Live-Dubbing haben wir gestern geprobt. Und auch wenn ich kein Deutsch spreche, habe ich gemerkt, dass die Stimme sehr passend gewählt wurde und auch Daniels Persönlichkeit gut zur Geltung kommt.

Häufig hört man, dass japanische Synchronsprechende während der Aufnahme noch mit unfertigen Animationen arbeiten. Wie war das bei You and I Are Polar Opposites?

Bei uns gab es Stills, zu denen wir die Aufnahmen gemacht haben. Die Szenen und Charaktere waren aber bereits so gezeichnet, dass wir sie erkennen konnten.

Eine Besonderheit war allerdings, dass wir die Synchronisation als sogenanntes Pre-Scoring aufgenommen haben. Das bedeutet, dass wir unsere Dialoge so lange einsprechen konnten, wie wir wollten. Das Animestudio hat anschließend die Szenen entsprechend unserer Aufnahmen weiter animiert und angepasst.

Mit welchen Synchronsprechenden würdest du gerne einmal eine Serie gemeinsam aufnehmen? Du hast ja zum Beispiel deine Eltern, die auch im Synchron arbeiten, erwähnt.

Bisher habe ich nur mit meiner Mutter zusammengearbeitet. Wenn ich mich auf den Cast von You and I Are Polar Opposites beziehen müsste, wären es Konatsu Hirabayashi, die Sato gesprochen hat, und Kokoro Ōmori als Nishi.

Wir waren im japanischen Cast die jüngsten Mitglieder und sind gemeinsam mit den Rollen gewachsen. Das war eine sehr schöne Erfahrung und das würde ich sehr gerne gemeinsam in anderen Rollen und Serien wiederholen.

Gibt es etwas, das du an die Fans von You and I Are Polar Opposites richten möchtest?

Auch ich freue mich als Fan auf die kommenden Szenen und Momente der nächsten Episoden. Es ist wirklich schön zuzusehen, wie Suzuki und ihre Freundesgruppe gemeinsam die auftretenden Probleme lösen.

Ich hoffe, dass auch ihr diese Reise begleitet. Viel Spaß!

Übersetzung und Dolmetscher: Dr. Verena Maser
Interviewt von Steven Rettka

Bilder: ©Kocha Agasawa/SHUEISHA, You and I Are Polar Opposites Committee

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