Tech-Review: YUNZII B75 PRO

Auch wenn ich es nie so richtig öffentlich gezeigt habe: Das Hobby der mechanischen Tastaturen begeistert mich seit Längerem immer mehr. Egal, ob es sich um die Anpassungsmöglichkeiten, die verschiedenen Switches (und entsprechenden Klänge) oder schlicht das Entdecken neuer Tech handelt: Es macht richtig Spaß. Ich hatte nun die Möglichkeit, die YUNZII B75 PRO zu testen, die auf den ersten Blick wie ein solides Einstiegsmodell zu sein scheint. Ob das stimmt, zeigt der Test!

Disclaimer: Ich habe die Tastatur für diese Review kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Einen Einfluss auf meinen Eindruck bestand zu keiner Zeit.

Zwischen Altbekanntem und Skepsis gegenüber Neuem

Wie bereits geschrieben, habe ich mich in meiner freien Zeit sehr viel mit Tastaturen, Keycaps und Switches beschäftigt. Es ist ein richtiges Rabbit Hole, das mit all seinen Firmen, verschiedenen Herangehensweisen und Preispolitiken durchaus verwirren kann. Dabei war ich selbst auch jemand, der einfach danach gekauft hat, was man bereits kennt. Neue Firmen und deren Produkte auszuprobieren, war immer mit etwas Risiko behaftet.

Meine Tastaturenvergangenheit war dabei mit bekannten Gamingmarken übersät. Und ich hatte immer die bekannten Namen. Als ich dann vor ein paar Jahren nach einer leiseren Tastatur gesucht habe (und von einer ROCCAT Ryos MK kam), fiel meine Wahl auf die Mountain Everest MAX. Nicht nur wegen der leisen Switches, auch war ich jemand, der immer eine 100%-Tastatur genutzt hat. Numpads ftw! Und ich mochte diese Modularität und konnte die Tastatur so an meine Bedürfnisse anpassen.

Ich wollte aber etwas Neues ausprobieren. Und etwas weg vom klassischen Gaming-Look gehen.

Nun also YUNZII. Eine dieser „anderen“ Firmen, die sich zwar einen Ruf aufgebaut haben, sich aber noch beweisen müssen. Und ja, der erste Eindruck, den ich auf der gamescom am Stand bekommen habe, hat sich auch in den eigenen vier Wänden bestätigt. Verdammt, ist die gut.

Technische Daten der B75 PRO:

Layout: 75% ISO Layout, 83 Keys and 1 Knob
Sprachen-Layout: DE-QWERTZ, FR-AZERTY
RGB: Unterhalb der Switches
Farbmöglichkeiten: Pink Heart, Matcha Green, Black Purple
Switches-Möglichkeiten:: YUNZII Milk V2 Linear Switch / YUNZII Cocoa Cream V2 Switch
Aufbau der PCB: Gasket Mounted
Größe der Batterie: 4000mAh
Verbindungsmöglichkeiten: 2.4G & Kabel (Type-C) & Bluetooth
Produktgröße: 334.4*143.6*42.15mm
Gewicht: 937g
Keycaps: Doppelt gespritzte PBT-Tastenkappen im Cherry-Profil
Hot-Swap-fähig: Alle Tasten sind Hot-Swap-fähig und unterstützen mechanische 3- oder 5-Pin-Schalter
N-Key Rollover: Ja – alle Tasten können gleichzeitig erkannt werden.

Der erste Eindruck: Farbe hui, Umfang minimalistisch

Zur Auswahl gab es für mich drei Farbmöglichkeiten.

Entschieden habe ich mich für Matcha Green, dem Trendgetränk der letzten Jahre. Und ich muss sagen: Die Videos und Produktbilder werden der Farbe nicht gerecht. Wirklich ein Hingucker.

Die B75 PRO hat eine UVP von 80 Dollar. Umgerechnet bekommt man sie bei allen bekannten Händlern zwischen 75 und 89 Euro, je nachdem, für welches Farbmodell man sich entscheidet. Dementsprechend sieht auch der Umfang aus, wenn man sich diese Tastatur kauft. Im Lieferumfang enthalten sind:

  • Zwei Ersatz-Switches
  • Drei Alternativtasten
  • Tastentrenner
  • Weißes USB-C-Kabel

Hat man den (Einstiegs-/Budget-)Preis von um die 80 Euro im Hinterkopf, ist der Umfang zwar solide, aber wie ich finde ausbaufähig. Gerade ein geflochtenes beziehungsweise braided USB-Kabel sollte meiner Meinung nach dabei sein, denn ansonsten fühlt sich die Tastatur sehr hochwertig an.

Das Anschließen ist wie üblich für eine Tastatur sehr einfach: Entweder per Dongle, Bluetooth oder Kabel anschließen und schon geht es los. Mit dem auf der Rückseite angebrachten Regler stellt man die entsprechende Verbindung ein. Eine App ist nicht nötig, denn alle wichtigen Funktionen werden über die Tastatur geregelt. Möchte man aber Tasten individuell einstellen oder die Farben stärker anpassen, gibt es eine Webseite.

Der Nachteil von neuen Produkten: Merkwürdige und fragwürdige Softwareverwaltung

Hier gibt es auch schon den ersten Kritikpunkt. Fragt man Personen, wieso sie bei Gamingbrand A oder B bleiben, sind es oft Aussagen wie: „Die Software funktioniert einfach“ oder „Man muss wenig machen“. Gerade in diesem Punkt müssen Firmen aus Fernost noch einiges aufholen, so auch YUNZII.

Ich bin ein einfacher Typ: Je simpler sich etwas einstellen lässt, desto besser. Bei YUNZII muss man allerdings aufpassen, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, seine Tastatur anzupassen. Entweder hier oder hier. Mit unterschiedlichen Resultaten. Entweder über zwei verschiedene Webseiten-Apps oder direkt mit dem YUNZII-Treiber, der wohl am einfachsten zu nutzende Weg. Bis man aber dahin kommt, testet man so einiges, lädt auf einmal eine QMK-Firmware herunter, die erst nach etwas Recherche als Standard für solche Tastaturen erkennbar wird.

Die YUNZII-App, die man übrigens über MEGA runterlädt ist dabei ziemlich selbsterklärend und sehr einfach zu bedienen. Als Sprache wird neben Chinesisch im Westen allerdings nur Englisch angeboten.

Und wie schreibt es sich mit ihr nun?

Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt: dem Sound und dem Schreibgefühl. Und auch hier punktet die B75 PRO. Als Switches wählte ich YUNZII Milk V2 Linear Switches, die für ein eher cremiges Tippgefühl sorgen. Gerade im Vergleich zu meiner Vorgänger-Tastatur ist dabei der geringe Druck ein absoluter Gamechanger für mich: Vorbei sind die Zeiten des starken Drückens auf die Tasten und dem Spüren der Springfeder. Auch die längeren Tasten wie Leertaste, Shift oder Enter fühlen sich angenehm an. Gerade bei der Leertaste gibt es kein störendes Klappern oder Nachfedern.

Die B75 PRO setzt auf eine Gasket-Mount-Konstruktion. Vereinfacht gesagt liegt die Platine dabei nicht starr auf dem Gehäuse auf, sondern wird durch kleine Dämpfungselemente abgefedert. Das merkt man vor allem beim Tippen: Die Tasten fühlen sich beim Durchdrücken etwas weicher an und das typische harte Anschlagen wird deutlich reduziert.

Und auch soundtechnisch gefallen mir die Milk V2 Switches sehr. Natürlich sind diese im Vergleich um einiges leiser, aber sie hören sich nicht nervig an.

Das Gehäuse selbst ist im Vergleich zu anderen Produkten der Kategorie zwar nur aus Plastik, fühlt sich allerdings nicht billig an. Der Drehknopf ist in Bewegung angenehm zu bedienen und auch das Drücken (Standard: Stummschaltung) fühlt sich sehr befriedigend an. Fehlende Tasten wie PrtScn werden mit Hilfe von FN-Kombinationen gelöst; hier lohnt sich ein Blick in die Anleitung.

Hier könnt ihr eine Soundprobe hören:

Was die Akkulaufzeit angeht: Mit 4.000 mAh ist es ohne Weiteres möglich, bis zu zwei Wochen ohne Laden auszukommen. Hier muss man aber die Lichtstärke auf ein Minimum reduzieren und alle Spielereien deaktivieren. Ist die Stärke auf 100 Prozent gestellt, ist der Akku in zwei, drei Tagen leer und man muss laden. Immerhin lässt sich mit einer Kombination jederzeit der Akkustand der Tastatur anzeigen.

Die B75 PRO geht aber generell schnell in eine Art Ruhemodus und wacht auch schnell wieder auf, damit man ohne große Warterei weitertippen beziehungsweise schießen kann.

Gerade bei Spielen wie Path of Exile 2, bei denen teilweise mehrere Tasten gleichzeitig oder sehr schnell nach einer längeren Ruhephase hintereinander gedrückt werden müssen, hatte ich dank der NKRO-Funktion keinerlei Probleme.

Kleinigkeiten, die stören

Ansonsten muss man Negativpunkte mit der Lupe suchen. Bedingt durch das Gehäuse haben diese Art von mechanischen Tastaturen den Nachteil, dass sie sehr hoch angelegt sind. Eine Handauflage ist dabei gerade für kleinere Hände absolute Pflicht. Hier bietet YUNZII hauseigene Lösungen an, diese sind aber, wie auch andersfarbige beziehungsweise speziell geformte Keycaps oder Handauflagen, durchaus kostspielig.

Die hohe (neue) Position der Entfernen-Taste ist ungewohnt, hat man das aber nach einigen Tagen verinnerlicht.

Und was die Sprache angeht: Auch wenn die Installation und die Nutzung der Tastatur sehr einfach von der Hand gehen, ist der deutsche Text der Gebrauchsanweisung ein Fall von: „Muss überarbeitet werden.“

Zum Testen wurden mir außerdem Keycaps namens Cat MAO zugeschickt, mit einem Warenwert von 40 Euro beziehungsweise Dollar. Dafür bekommt man 113 Tasten im besonderen Katzenohren-Design und der Besonderheit, dass diese ihre Beschriftung auf der Südseite, also zum Nutzenden hin, haben. Während sie qualitativ sehr gut sind, merkt man allerdings beim Schreiben und auch beim generellen Ton einen Unterschied, den man mögen muss. Alles in allem aber ein nettes optisches Extra für Katzenliebhabende.

Hier könnt ihr einen direkten Soundtest der Cat MAO-Keycaps (ersten 10 Sekunden) und den Standard-Keycaps (10 – 23 Sekunden) anhören:

Fazit: Eine gelungene Preis/Leistungstastatur mit Lüftchen nach oben

Alles in allem ist die YUNZII B75 PRO eine für das Preissegment richtig gute 75%-Tastatur, mit der Gaming und das Tippen dieses Artikels sehr viel Spaß macht. Der Ton ist nicht nervig, die Reaktionstiefe ist sehr niedrig und die Akkulaufzeit ist nach diversen Einstellungen sehr lange nutzbar.

Interesse, die YUNZII B75 PRO selbst zu testen? Folgt diesen Links:

Produkt
B75 PRO
B75 PRO (Pink Heart Series)
B75 PRO (ISO-Layout)
B75 PRO (Green Matcha Series)
B75 PRO (Coffee Brown)
B75 PRO (Olive Green)

Fazit

Die YUNZII B75 PRO ist eine sehr gute Tastatur für jene, die etwas Neues ausprobieren möchten, ohne dabei auf zu viele Kompromisse einzugehen. Die Switches klingen richtig gut, der Weg der Taste ist sehr kurz gehalten, was für manche vielleicht zu kurz sein könnte. Die Verarbeitung ist trotz Plastik richtig gut und auch die Farb- und Lichtqualität überzeugt.

Abzüge gibt es beim Software-Wirrwarr, der schlecht übersetzten deutschen Anleitung und den hohen Preisen für Accessoires. Auch die Akkulaufzeit ist bei 100 Prozent Beleuchtung sehr kurz bemessen.

Pro

Sehr gute Preis-Leistung
Schöner Tastensound der Milk V2 Switches
Einfach zu konfigurieren ...
Gute Produktverarbeitung
Hübsche Farbkombinationen
Optimal für Reisen

Contra

Knapp bemessener Umfang
Standardmäßig schneller Akku-Verbrauch
... allerdings mit Software- und Treiberwirrwarr
Miese deutsche Handbuch-Übersetzung
Teure Accessoires
Ohne Handauflage sehr hohe Tasten
Entfernen-Taste sehr hoch gesetzt

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