Interview mit Jele Flügge, der deutschen Stimme von Jiro Azuma aus Black Torch

Mit Black Torch gibt es aktuell einen neuen Shounen-Hit, der auf Crunchyroll läuft. Dank Crunchyroll hatte ich die Möglichkeit, der deutschen Stimme von Jiro Azuma, Jele Flügge, diverse Fragen zu stellen. Seine Antworten lest ihr hier!

Jirō Azuma ist kein gewöhnlicher Junge, denn er stammt aus einer traditionsreichen Ninja-Familie und kann mit Tieren reden. Als er einen verletzten Kater pflegt, stellt sich dieser als Mononoke heraus, der darüber hinaus als Finsterstern der Unbill bekannt ist und wegen seiner Kräfte von anderen Mononoke gejagt wird! Gut, dass der Geheimdienst noch aufkreuzt, um die Lage zu verkomplizieren. (Synopsis via Crunchyroll)

Hallo Jele und vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Für jene, die dich noch nicht kennen: Stell dich doch kurz vor und welche Rolle du in Black Torch innehast.

Moin! Ich bin Jele Flügge, ich bin Synchronsprecher und Schauspieler seit knapp zwei Jahren. In letzter Zeit war ich allerdings sehr viel im Anime-Bereich unterwegs. Mich hört man unter anderem in Let’s Play als Marshall Law oder als Ray Forester in Clevatess Staffel 2. In Black Torch bin ich Jiro Azuma, der Hauptprotagonist der Serie.

Die deutsche Synchronisation von Black Torch entstand bei den DMT Studios in Hamburg. Wie bist du zur Rolle gekommen?

Hamburg ist eine der größten Städte, wenn es um Synchronisation geht. Viele Aufnahmeleitungen kennen sich untereinander und man connected sich sehr gut via WhatsApp. In Berlin zum Beispiel gibt es dafür spezielle Internetseiten wie SynchronStar.

Die Hauptrolle des Jiro Azuma zu bekommen, war dann auch sehr überraschend. Meine bisherigen Anime-Rollen entstanden ja auch bei DMT und dann kam die Anfrage im Stile von: „Hey, wir haben hier eine neue Serie, die wöchentlich aufgenommen wird. Hast du im Sommer Zeit und Interesse, eine der Hauptrollen zu sprechen?“ Und so kam dann eins zum anderen.

Zunächst dachte ich, dass es sich ja um eine kleinere Hauptrolle handeln wird, wenn von mehreren Hauptrollen gesprochen wird. Dann kam ich zum vereinbarten Termin und bekam Glückwünsche zur Hauptrolle des Maincharakters von Black Torch. Das war durchaus überraschend. *lacht*

Auch wenn es nicht unüblich ist, gesagt zu bekommen, welche Rolle man wirklich hat, wenn man im Studio ist, ist so eine Ansage, die Hauptrolle einer Animeserie bekommen zu haben, sehr schön und aufregend.

Hattest du vorher schon von Black Torch gehört? Oder gar den Manga gelesen?

Absolut nicht! Erst nachdem ich die Rolle bekommen hatte, recherchierte ich ein bisschen über den Anime. Etwa, dass er sehr neu ist, der Manga mit fünf Bänden abgeschlossen ist und es sich um einen Shounen handelt.

Auch wenn du schon öfter bei DMT warst, die Arbeit mit dem Regieleiter Felix Strüven war eure erste Zusammenarbeit. Wie war die Arbeit mit ihm?

Genau! Das war unsere erste Zusammenarbeit. Die Arbeit mit ihm war super. Es ist generell toll, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die jedes Projekt mit Leidenschaft angehen und total engagiert sind. So macht die Arbeit im Synchronstudio einfach viel mehr Spaß. Felix hat auch nicht mit Feedback zurückgehalten und hat immer Verbesserungsvorschläge genannt, die ich dann umsetzen konnte.

Laut deiner Webseite bist du unter einer Agentur angestellt, was ja eine Seltenheit bei Synchronsprechenden ist. Wie kam es dazu und welche Vorteile gibt es für dich?

Hier muss man klar unterscheiden, denn ich bin bei mehreren Agenturen tätig. Zum einen gibt es da die ZAV, bei der ich meine Schauspielaufträge bekomme, etwa für das Theater. Die ZAV hat ein eigenes Profil für mich, bei dessen Rollen ich meine Stärken sehe. Möchte ich also etwas im Schauspielbereich arbeiten, setze ich mich mit der Agentur in Verbindung und diese stellt dann den Kontakt zum Theater her. Screen Actors Management macht das Gleiche, diese sind aber auf Film- und Fernsehaufträge spezialisiert.

Synchron selbst läuft unabhängig davon und ist ein eigener Bereich. Das läuft dann über die Synchronstudios beziehungsweise deren Aufnahmeleiter*innen. Über diese komme ich dann zum Beispiel zu Aufträgen, denn die kennen meine Stimme und schlagen mich dann den Auftraggebern vor.

Neben der Schauspielausbildung hast du auch einen Workshop im Bereich der Synchronarbeit als Referenz. Wie kann man sich so einen Workshop eigentlich vorstellen? Ist es reine Theorie oder kommt man da auch mal zu Wort?

Durch den Workshop hat quasi meine Synchronkarriere begonnen. *lacht* Build Your Voice, so der Name des Workshops, hatte einen Halt in Hamburg gemacht und Franciska Friede, die manch einer auch schon mal im Anime gehört hat, leitete diesen.

Beim Workshop direkt hatte man eine Auswahl verschiedener Realserien und Anime. Hat man eine ausgewählt, ging es auch schon in die Synchronkabine und man sprach, wie man es aus einem Synchronstudio kennt, die besagte Rolle ein. Franciska war dabei und man hat direkt Feedback bekommen, was man nicht machen sollte oder was richtig gut lief.

Damals stand ich zwar schon ein, zwei Mal im Studio, war es aber trotzdem eine lehrreiche Erfahrung für mich. Es geht ja nicht nur um das Einsprechen selbst, sondern auch um das Drumherum, etwa wie man diverse technische Geräte bedient, wie man die richtigen Informationen auf den Bildschirmen abliest und vieles mehr. Das ist perfekt für jene, die mal reinschnuppern wollen.

Jedenfalls wurde ich so entdeckt. *lacht* Und konnte so Fuß in die Branche setzen.

Waren die Jobs deine erste Berührung mit dem Medium Anime?

Ich war schon vorher ein großer Animefan! Ich gehöre zur Generation, die damals von der Schule nach Hause gerannt ist, um den TV anzuschalten und Pokémon zu schauen. Mit der Rolle bei Black Torch ist bei mir auf jeden Fall ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Für Pokémon Unite hast du ja auch schon etwas in Eigenregie eingesprochen. Viele Synchronsprechende machen ja auch oft Regie bei Projekten. Wäre das etwas für dich?

Richtig. Zur Rolle in Pokémon Unite bin ich während meiner Ausbildung gekommen. Denn es gibt diverse Plattformen, bei denen man sich für Rollen bewerben kann. Das sind meist kleinere Aufträge, etwa für Werbung und Marketingzwecke. Oder für YouTube-Videos.

Das lief dann so ab, dass ich den Auftrag bekommen und ungefähre Richtlinien erhalten habe und dann bei mir zu Hause alles aufgenommen habe. Hin und wieder kam dann auch direkt Feedback zurück, aber der Druck lag dann auf mir, ob ich mit dem Aufgenommenen zufrieden war oder nicht.

Und ob es etwas für mich ist, kann ich dir ehrlich gesagt noch nicht sagen. Denn ich bin immer noch ein Anfänger und brauche definitiv noch Berufserfahrung. Denn Regie ist ja vieles mehr: Man gibt direkt Feedback und hilft so der in der Kabine sitzenden Person. Da bin ich selbst erst mal froh, Tipps und Hilfen zu bekommen.

Viele Sprechende schreiben auch Dialogbücher. Wäre das etwas für dich?

Dialogbücher zu schreiben, ist etwas, wovor ich absoluten Respekt habe! Von den Fähigkeiten, die ich besitze, ist Schreiben keine davon. Hier muss ich übrigens auch ein Lob an die liebe Jana Dunja Grieß geben, die für das Buch zu Black Torch zuständig ist. Sie hat wirklich lustige Beleidigungen eingebaut, das hätte ich nicht gekonnt.

Jiros Fähigkeit in Black Torch ist es, mit Tieren zu sprechen. Wie sieht es bei dir aus? Hast du Haustiere und wenn ja, was würden sie dir wohl erzählen?

Ich betreue den Hund meiner Mutter über das Wochenende, sie liegt aktuell hinter mir. Und sie liebt es, Stöcke zu fangen. Würde sie sprechen, dürfte ich mir alle fünf Minuten anhören, dass ich doch einen Stock werfen soll. Zum Glück ist das aber nicht der Fall. *lacht*

Siehst du dich als jemand, der eher gerne ruhige Rollen spricht, oder bist du sehr gerne der laute Typ?

Das ist wirklich eine gute Frage. Denn ich durfte ja schon beide Seiten kennenlernen. Marshall aus Let’s Play war auch eher der ruhigere Typ und auch Jiro macht mir richtig viel Spaß zu sprechen. Da bin ich doch sehr froh, so flexibel besetzt worden zu sein. Die Mischung ist wirklich das Schöne am Synchron, denn jede Rolle hat eine andere Herausforderung.

Der Manga zu Black Torch war ja sehr früh abgebrochen worden, die Ankündigung eines Anime kam überraschend. Merkt man die Kürze der Vorlage im Anime hinsichtlich der Dialoge?

Black Torch schneidet viele Handlungsstränge an und man merkt schon, dass versucht wird, so viele wie möglich abzuschließen und vieles bleibt unbeantwortet. Denn die Serie hat ja nur 12 Episoden. Das Ende ist aber trotzdem stimmig, muss ich sagen. Potenzial für mehr ist aber da.

Vielen Dank für das Interview und ich bin gespannt, in welchen Anime man dich noch hören wird!

Schaut Black Torch mit deutscher Synchronisation oder Untertiteln. Nur auf Crunchyroll.

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