Mit Granblue Fantasy: Relink hat Entwickler und Publisher Cygames vor rund zwei Jahren ein actiongeladenes Feuerwerk abgeliefert, das nicht nur Fans der Reihe überzeugen konnte. Nun erscheint mit Endless Ragnarok das bisher größte Inhaltsupdate für das Action-RPG. Doch lohnt sich die Rückkehr in die Lüfte auch für Spieler, die bereits viele Stunden in Relink verbracht haben oder sogar für Neueinsteiger? Der Test zeigt es.
Begib dich auf neue Abenteuer.
Obwohl die Machenschaften der Sternensiedlerin Lilith vereitelt wurden, kommt es im Zegagrande-Himmelsreich zu ersten Anzeichen eines Wandels … Seltsame Wesen namens Ragnarion kündigen das Ende der Welt an. Geheimnisvolle Portale locken potenzielle Herausforderer in ein Reich des Chaos. Und sogar der mächtige Beelzebub mit seinen Flügeln aus Stahl steigt auf Zegagrande herab.
(Synopsis via Cygames)
Dchon in meinem Test bei der GameStar im Februar 2024 überzeugte Granblue Fantasy: Relink mit seinen starken Kämpfen, der gelungenen Anime-Präsentation sowie dem spaßigen (Koop-)Gameplay-Loop. Seit dem Release gab es zwar bereits drei kleinere Updates, einen wirklich großen Content-Drop blieb das Spiel bisher allerdings schuldig. Das soll sich nun mit Endless Ragnarok ändern.
- neue spielbare Charaktere
- den neuen Spielmodus Conflix (Roguelite)
- neue Schwierigkeitsgrade
- eine neue, in sich abgeschlossene Story
- spielbare Beschwörungen, die in das Kern-Gameplay integriert werden
- neue Endgame-Talentbäume
- neue Siegel
Es gibt also durchaus einiges zu entdecken. Ein kleiner Haken bleibt jedoch: Endless Ragnarok richtet sich vor allem an Spielende, die bereits mehrere Stunden in das Hauptspiel investiert haben.
Zwar lassen sich der neue Spielmodus und auch die zusätzlichen Charaktere im Verlauf der Hauptgeschichte freischalten, gerade der Story-DLC sowie die beiden neuen Schwierigkeitsgrade Chaos und Chaos+/Chaos++ sind aber klar auf das Endgame ausgelegt.
Ein Roguelite in Granblue Fantasy: Relink?
Sprechen wir zunächst über den neuen Spielmodus, der mit Endless Ragnarok Einzug in die Welt von Granblue Fantasy: Relink hält. Conflux ist eine separate Entität innerhalb der Spielwelt und bietet neben vier „Räumen“, also unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, bis zu zehn aufeinanderfolgende Dungeons.
Am Ende wartet meistens ein großer Endboss mit besonderen Angriffsmustern, den es zu besiegen gilt, um die bestmöglichen Belohnungen zu erhalten.
Der Weg dorthin funktioniert klassisch nach Roguelite-Prinzipien: Nach jedem abgeschlossenen Dungeon erhält man die Auswahl zwischen drei passiven Fähigkeiten unterschiedlicher Stärke, die für den aktuellen Durchlauf aktiv bleiben. Dadurch kann man die Boni gezielt an das eigene Team und den jeweiligen Spielstil anpassen.
Damit der Ablauf nicht zu eintönig wird, schließlich besteht auch der reguläre Spielmodus zu einem großen Teil aus Kämpfen, gibt es zwischendurch kleinere Abwechslungen. So muss man beispielsweise unter Zeitdruck ein Wesen verfolgen oder eine Art 3D-Suchbild lösen, bei dem man auf einem Schiff herausfinden muss, was sich im Vergleich zur vorherigen Version verändert hat. Nett gemacht und kurzweilig, auch wenn der Fokus ganz klar auf den Kämpfen liegt.
Hat man einen Durchlauf erfolgreich abgeschlossen und den Boss besiegt, erhält man Conflux-Punkte. Diese lassen sich in permanente passive Fähigkeiten investieren. Der große Unterschied zu den temporären Buffs innerhalb der Dungeons: Diese Verbesserungen bleiben dauerhaft aktiv. Dadurch lassen sich auch die immer stärker werdenden Gegner nach mehreren Versuchen deutlich einfacher besiegen.
Schade ist allerdings, dass sich der Conflux-Modus etwas so anfühlt, als wäre er erst nachträglich in das Hauptspiel integriert worden. Abgesehen vom Farmen von Gegenständen für das Hauptspiel und einer kurzen Einführungs-Zwischensequenz bleibt die erzählerische Einbindung leider auf der Strecke. Hier wurde meiner Meinung nach Potenzial verschenkt.
Ebenfalls schade: Der Modus lässt sich nicht im Koop spielen, obwohl gerade die zufällig erhaltenen Dungeon-Fähigkeiten spannende Möglichkeiten für gemeinsame Absprachen und Teamstrategien geboten hätten.
Unterm Strich ist Conflux dennoch eine nette Erweiterung, die für einige Stunden zusätzlichen Spielspaß sorgt und bestehenden Spielerinnen und Spielern genug neue Abwechslung bietet. Für einen echten Koop-Roguelite-Modus wäre allerdings deutlich mehr möglich gewesen.
Der nächste Wermutstropfen: Die Story
Und wenn wir schon bei „Es wäre so viel mehr drin gewesen!“ sind, muss ich wohl oder übel über die Geschichte von Endless Ragnarok sprechen. Denn diese ist, nun ja, kaum vorhanden.
Dabei war die Story von Granblue Fantasy: Relink selbst sicherlich kein erzählerisches Meisterwerk. Trotzdem bot das Hauptspiel einige schicke Zwischensequenzen, erzählte seine Geschichte in einem flotten Tempo und ließ kaum Zeit zum Durchatmen. Am Ende bekam die Handlung immerhin einen runden und zufriedenstellenden Abschluss.
Endless Ragnarok geht hier einen deutlich anderen Weg. Große Zwischensequenzen sind rar gesät und werden, wenn überhaupt, häufig vom Erzähler getragen. Dadurch wirkt die Handlung eher wie eine klassische „Monster of the Week“-Episode, wie man sie aus vielen Anime als Filler kennt.
Natürlich wird darüber die neue Chaos-Schwierigkeit eingeführt, aber die eigentliche Motivation bleibt überschaubar: „Es gibt eine Geheimmission für dich. Untersuche diese neuen Monster namens Ragnalion!“
Daran ändern auch die neuen Schicksalsepisoden sowie die Einführung der beiden neuen Charaktere wenig. Immerhin gibt es einige zusätzliche Informationen zur Lore des Granblue Fantasy-Universums, wodurch die Geschichte nicht komplett überflüssig ist. Für einen großen Story-DLC bleibt sie aber deutlich hinter den Möglichkeiten zurück.
Die wahre Stärke des DLC: Das Endgame mit neuen Möglichkeiten
Und das waren eigentlich auch schon die größten Kritikpunkte. Denn Endless Ragnarok versteht sich weniger als klassische Story-Erweiterung, sondern vielmehr als Lieferant für neuen Endgame-Content.
Um den neuen Chaos-Stufen und den dazugehörigen Quests gerecht zu werden, wurde eine neue Möglichkeit eingeführt, die eigenen Charaktere weiterzuentwickeln. Während im Hauptspiel bereits bei Level 100 Schluss war, können Charaktere nun durch sogenannte Mastertraits weiter verbessert werden. Auch Waffen lassen sich durch ihre Transzendenz weiter aufwerten, um noch mehr Schaden auszuteilen.
Und das ist auch dringend nötig.
Denn die neuen Schwierigkeitsgrade und die Gegnertypen namens Ragnalion haben es durchaus in sich. Gerade zu Beginn können Kämpfe selbst mit Level-100-Charakteren und gut gewählten Siegeln problemlos 15 bis 20 Minuten dauern. Eine A++-Bewertung scheint dabei zunächst noch weit entfernt. Was also tun? Monster besiegen, Ressourcen sammeln, grinden und stärker werden.
Jeder Charakter (auch die neuen) hat außerdem durch die sogenannten Master-Level die Möglichkeit, sich auf einer von drei Movesets zu „spezialisieren“, da jeder dieser Sets verschiedene Boni und Buffs mit sich bringt. Und hat man sich mal „verskillt“, lässt sich das ganze mit einem Knopfdruck zurücksetzen.
Zusätzlich erhält jeder Charakter durch die sogenannten Master-Level die Möglichkeit, sich auf eines von drei Movesets zu spezialisieren. Jedes dieser Sets bringt unterschiedliche Boni und Buffs mit sich und erlaubt es, den eigenen Spielstil weiter anzupassen. Und falls man sich einmal „verskillt“ hat, lässt sich die Verteilung jederzeit per Knopfdruck zurücksetzen.
Für wen ist der DLC geeignet?
Wenn man bedenkt, dass Endless Ragnarok rund 40 Euro kostet und diesen Preis vor allem durch seine Endgame-Inhalte rechtfertigt, bleibt am Ende die wichtigste Frage: Für wen lohnt sich die Erweiterung?
Keine Frage: Endgame-Fans, die das Hauptspiel bereits auf Level 100 abgeschlossen haben, bekommen mit dem DLC genau das, was sie suchen. Die zusätzlichen Systeme erweitern die Langzeitmotivation sinnvoll und bieten neue Ziele für den Grind.
Für alle anderen wird es schwieriger.
Gelegenheitsspieler, die nach Feierabend ein paar Runden Monster besiegen möchten, werden an den neuen Schwierigkeitsgraden vermutlich schnell ihre Grenzen erreichen. Story-Fans können dagegen problemlos beim Hauptspiel bleiben, denn die größte Stärke der DLC-Handlung liegt eher im zusätzlichen Lore-Dropping: interessant, aber kein Grund, die Erweiterung allein dafür zu kaufen.
Hinzu kommt: Viele der allgemeinen Verbesserungen, die mit dem Update erschienen sind, stehen allen Spielenden kostenlos zur Verfügung.
Wer jedoch gerne hochstufige Anime-Monster bekämpft, seine Charaktere optimiert und den Granblue Fantasy-Grind liebt, bekommt mit Endless Ragnarok eine sinnvolle Erweiterung und kann bedenkenlos zugreifen.
Pro
- Spaßiger Roguelite-Modus
- Sinnvolle Erweiterung für das Endgame
- Neue Levelmöglichkeiten der Charaktere
- Neue spielbare Charaktere
- Beschwörungen sinnvoll ins Kampfsystem integriert
- 15 bis 30 Stunden zusätzlicher Content
- Endgame-Talentbäume sorgen für langfristige Motivation
- Deutsche Texte
Contra
- Belanglose neue Story
- Einige Bosse setzen auf unnötig frustrierende Mechaniken
- Wenig neue Inhalte für Gelegenheitsspielende
- Roguelite-Modus nur alleine spielbar
- Weiterhin kein Ultrawide-Support
- Viel Gegner-Recycling