Start Anime Analysen Bloom Into You und die Suche nach der eigenen Identität

Bloom Into You und die Suche nach der eigenen Identität

Bloom Into You zeigt dem Zuschauer, dass die Suche nach der eigenen Identität sehr schwer sein kann.

532
1
Bloom Into You Banner
Während Touko von Lilien umgeben ist, sind es bei Yuu Wisterien. Beide Blumen haben zu den Charakter passende Bedeutungen.

Bloom Into You aus dem Jahr 2018 kann man in vielerlei Hinsicht einen Ausnahmetitel nennen. In Zeiten, bei denen die gleichgeschlechtliche Liebe immer mehr akzeptiert wird, suchen und erfinden sich immer mehr Menschen neu, trotz aller Hindernisse. Doch Bloom Into You ist nicht nur deswegen sehr gut, auch aus der künstlerischen Sicht bietet der Shojo Ai Mut zur Selbstverwirklichung. Was ich genau damit meine, zeige ich in diesem Artikel!

Spoilerwarnung! Ich gehe auf die Charaktere und diverse Szenen genauer ein.

(K)eine klassische Geschichte eines Shoujo-Ai

Bloom Into You ist ein mit Acht Bänden abgeschlossener Manga, der zwischen 2015 und 2019 in Japan erschien. Illustriert und geschrieben von Nio Nakatani, erzählt es die folgende Geschichte:

Yuu hat gerade ihr erstes Jahr an der Oberschule begonnen. Bei ihrer Mittelschulabschlussfeier gestand ihr ein Junge, der sie stets mochte, seine Liebe, doch sie hat ihm bis heute nicht geantwortet, denn sein Geständnis berührte sie nicht. Sie liebt Shoujo-Manga und hat fortwährend ein bestimmtes Bild davon, wie sich eine solche Liebeserklärung anfühlen sollte; jedoch fühlte sie dies nicht und fand über Monate hinweg nicht den richtigen Weg, darauf zu reagieren.

Nach wenigen Tagen an ihrer neuen Schule erlebt Yuu mit, wie Touko Nanami, ihr Senpai und Mitglied des Schülerrates, ein derartiges Liebesgeständnis mit Taktgefühl zurückweist. Wie sie später von ihr erfährt, ist sie niemals auf eines dieser Geständnisse eingegangen, weil sie wie Yuu auch nichts dabei fühlte. Ermutigt durch Nanamis Ehrlichkeit, sieht sie in ihr eine Gleichgesinnte und bittet sie um Rat, doch nachdem ihr Nanami geholfen hat, tut sie im Gegenzug etwas, womit Yuu nicht gerechnet hat. (Beschreibung laut aniSearch.de)

Ein Titel für jene, die Antworten suchen

Bloom Into You lässt sich den Genre Shoujo-Ai, Romance, Alltagsleben und Drama einordnen. Doch es ist gleich viel mehr: Es erzählt die Geschichte vieler Menschen, die nicht wissen zu wem sie gehören. Der Autorin ist es gelungen, aus einem von Fanservice zermürbten Genre auszubrechen, ohne die Stärken aus den Augen zu verlieren oder die (trotzdem Genre-typischen) Schwächen groß auszubauen.

Das fängt schon beim Hauptcharakter Yuu an. Diese lässt sich nämlich gut als demisexuell bezeichnen. Der erstmals 2006 erwähnte Begriff beschreibt Personen, die keine sexuelle Anziehungskraft an Personen jeglichen Geschlechts aufbauen können, ohne dass eine starke emotionale Verbindung  besteht. So ist das Problem von Yuu nicht, dass sie nicht nicht lieben kann. Sie fragt sich in der kompletten Serie eher, ob diese Liebe gegenüber Touko echt ist.

Für Menschen, die keinerlei Probleme haben, Gefühle dem Gegenüber zu zeigen, ist diese Problematik meistens nicht verständlich; für Yuu ist dies noch unverständlicher. Gerade mit einer Person wie Touko, welche den ersten Schritt in vielen Dingen macht. Touko hingegen wird als perfekte Person in vielen Dingen dargestellt – sei es im Schülerrat oder bezüglich Noten. Sie sucht allerdings jemanden, bei dem sie sie selbst sein kann, und findet genau deshalb Interesse an Yuu. Touko mag durch ihre aggressive Art gegenüber Yuu den Anschein erwecken, sie wisse was sie tut; selbst ist sie aber ebenfalls hoffnungslos.

Die dritte im Bunde ist Sayaka. Sie selbst hat bereits gleichgeschlechtliche Liebe erfahren und beneidet Yuu und Touko in vielen Dingen – selbst aber hat sie ebenfalls mit vielen Punkten zu kämpfen. Das Tolle ist dabei: all jene Probleme sind menschlich. Sie sind nicht, wie bei anderen Genrevertretern üblich, melodramatisch oder an den Haaren herbeigezogen. Nein, sie spiegeln die Unsicherheit vieler wider. Bloom into You schafft es sogar, das Thema der Homophobie nicht komplett zu ignorieren; ein großes Problem vieler Serien derselben Art. Bloom Into You erzählt eine gute Geschichte basierend auf einer schlechten Ausgangssituation. All jene Problematiken werden dank der audiovisuellen Komponente sehr gut in Szene gesetzt.

Kunstvolle Umsetzung als Anime

Animiert wurde Bloom Into You vom Animestudio TROYCA (Re:Creators, Aldnoah.Zero). Als Director fungierte Makoto Katou, für die Musik war Michiru Ooshima (Little Witch Academia, Rothaarige Schneeprinzessin) zuständig. Sowohl Katou, als auch das Team hinter ihm, haben basierend auf dem Manga, eine visuell erstklassige Arbeit geleistet.

Bei der Produktion von Anime stellt sich oft die Frage, ob es denn gut ist, sich künstlerisch auszuleben oder nicht. Viele Fans etwa wollen eine 1:1 Adaption ihrer Titel; es soll, wenn möglich, der gleiche Charme abgerufen werden wie beim Manga. Je nach Team und Budget, welches einberufen wurde, ist dieses Problem einfacher zu lösen oder nicht.

Allerdings gibt es selten Werke, die über das Originalwerk hinauswachsen. Bloom Into You ist einer dieser Titel. Obgleich der Manga ebenfalls sehr gut ist, wächst der Anime über sich hinaus. So hat Makoto Katou für Bloom Into You die Blumensprache gelernt; eine Methode der nonverbalen Kommunikation um Gefühle, Bitten, oder Beschwerden auszudrücken. In der Serie selbst wird über Hortensien gesprochen, der Anime geht visuell ein ganzes Stück weiter. Katou war als Director für drei Episoden (1, 3, 6) der Serie zuständig, als auch hinter dem Opening und Ending. Diesen Einfluss erkennt man deutlich.

Gefühle ohne Emotionen zeigen; die Blumen in Bloom Into You

So sieht man bereits nach mehreren Sekunden im Opening mehrere Blumenarten. Diese hängen von der Decke herab; liegen auf dem Boden oder fliegen einfach nur umher. Diese Arrangements sind bereits Indikatoren für die Charakterzeichnung. Die Blumen, die an den Charakteren direkt anliegen zeigen ihren generellen Gemütszustand; die Blumen die dagegen die Personen umgeben zeigen die Wünsche jener. Bei unseren Hauptcharakteren Touko und Yuu zeigen die Blumen nicht nur ihre Beziehung zueinander, sondern auch die jeweiligen Ansichten der aktuellen Beziehung als Ganzes.

Achtung: Die Blumensprache variiert Länderabhängig. Sämtliche Beschreibungen sind der japanischen Blumensprache (Hanakotoba) entnommen.

Eine der ersten Szenen im Opening zeigt wie zwei Blätter auf die Handfläche der beiden Protagonisten fassen. Dabei handelt es sich um Hortensien der Farbe Blau und Pink. Blau steht in etwa für „Wunderschön, aber gefühlslos“. Pink hingegen steht für eine „starke Zuneigung“. Anschließend bekommen wir zwei Bilder von den Freundinnen der Hauptcharaktere, Koyomi und Sayaka. Koyomis Blume ist eine gelbe Gerbera. In Deutschland oft mit Trauerfloristik verbunden, soll diese positive, glückliche Emotionen vermitteln.

Im Falle von Sayaka hingegen haben wir zunächst die Kronen-Anemone. Ihre Bedeutung stammt aus einer Geschichte, die sich erzählt wird. Bei dieser verdrehte die Nymphe Anemona mit Ihrer Schönheit dem Gott des Windes, Zephyr den Kopf. Als Flora, Zephyrs Gattin davon erfahren hat raste sie vor Eifersucht und verzauberte Anemona in eine Blume; der Anemone. Die Blume bedeutet etwa „vergängliche Liebe“

Als nächstes haben wir die Blumen, die an Sayakas Haaren gesteckt sind. Die Sorte nennt sich Primel. Diese stehen für Verzweiflung und im Falle Sayakas für vergängliche (Jugend)liebe, die sie bereits erfahren hat.

Auch die Situation um Yuu und Touko wird im Opening angedeutet

Die Szenen um das Logo zeigen die Aufnahmen von Sayaka und Koyomi in einer entfernten Perspektive. Auffallend ist vor allem Yuus Situation. Umgeben von Blumen, die von der Decke hängen, sieht man Yuu in der Mitte sitzen. Auffallend hierbei ist der Teppich aus blauen Blüten sowie die von der Decke hängenden Blumenwand. Diese symbolisieren Yuus Unvermögen, dasselbe zu fühlen wie etwa Koyomi oder Sayaka. Auch hat Yuu keinerlei Blüte am Kopf. In einer späteren Szene im Opening sieht man nur noch den leeren Platz von Yuu, mit einem Präsent von Touko auf dem Tisch liegend.

Im gleichen Moment sieht man Sayaka auf Touko blickend, ehe diese den Sitzplatz verlässt. Sayaka versucht nach ihr zu greifen, streckt ihre Hand allerdings nur gegen die erneute Wand aus Blumen aus. Auch hier symbolisieren die Blumen eine Barriere, die vor allem die einseitige Liebe von Sayaka zu Touko zeigt. Während also Touko und Yuu Fortschritte in ihrer Situation (und Gefühlswelt) machen, bleiben ihre Freundinnen starr auf dem Platz sitzen und sind mit ihren Gefühlen zufrieden (Koyomi) oder eben nicht (Sayaka).

Das Opening besitzt vieler solcher Bilder und Momente, auch werden viele Ereignisse angedeutet, die im Laufe dee 13 Episoden eine Rolle spielen.

Trotz kleinerer Schwächen gute Umsetzung eines tollen Mangas

Bloom Into You ist eine Serie, die mit vielen Tugenden einer klassischen Romanze bricht. So ist die Charakterentwicklung für viele wahrscheinlich zu zögerlich; die romantischen Momente nur beiläufig. Es wird viel mit der Körpersprache angedeutet, das Gesprochene widerspricht oft jener. Dadurch passiert es, dass die Serie hin und wieder sehr stark die Bremse anzieht, das mag nicht jeder. Trotzdem ist Bloom Into You für viele viel mehr: es ist eine(eigene) Geschichte der Unsicherheit.

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein