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Show, don’t tell bei Anime

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Als Autor oder Produzent einer Serie oder Filmes muss man essenzielle Entscheidungen treffen, welche subtil auf die Aufmerksamkeitsspanne sowie Spannungsbogen eines jeden Zuschauen auswirkt. Das Ziel, das zu vermitteln, was man auch vermitteln möchte – sei es durch das visuelle, Symbolismus, der Bewegung der Charaktere oder auch das Momentum selbst. Man kann dies mit dem engl. Begriff „show, don’t tell“ sehr gut umschreiben.

Erzählstruktur ist wichtig

„Show, don’t tell“ umfasst das in Autorenkreisen bekannte Terminus einen bestimmten Gegenstand nicht vom Standpunkt des Erzählers (also sich selbst) zu Beschreibung, sondern anhand von Handlung sowie Dialogen. Durch diesen Kniff soll der Zuschauer/Leser wachgehalten werden. Hier ein paar Beispiele, wie Buchautoren dies umsetzen (danke Wikipedia).

Statt zu berichten …

„Frau Kleinschmidt war eine Klatschtante.
Immer fand sie etwas, das sie weitertratschen konnte.“

… soll der Autor zeigen:

„Sie öffnete einen schmalen Spalt zwischen den Blättern der Jalousie, so dass sie den VW erkennen konnte, der in der Auffahrt hielt. Sie blinzelte, um den muskulösen Mann besser sehen zu können, der aus dem Auto gestiegen war und in Richtung der Eingangstür ging. Als er klingelte, rannte Frau Kleinschmidt zum Telefon: ‚Charlotte, du wirst nicht glauben, was ich gerade gesehen habe!‘“

Da das „showing“ mehr Platz in Anspruch nimmt, kann durch „telling“ größere Zeitabstände in einem erzählendem/ narrativen Zusammenhang abgedeckt werden. So werden in Anime zum Beispiel Zeitsprünge gerne durch einen Off-Sprecher erklärt und nicht verdeutlicht. Um jedoch Drama oder emotionale Momente auszulösen ist dies nicht der beste Weg.

Denn was ist der beste Weg, um die inneren Probleme am besten zu vermitteln? Man redet mit der Person. Oder was in diesem Kontext hier passt: „Tell, Don’t Show“.tumblr_nsxe8qF46f1tjehr9o1_540

Am Beispiel des Animes Katanagatari – ein weiteres, dialoglastiges Werk von Nisio Isin (Monogatari/ Zaregoto Series) möchte ich nun genauer beschreiben, wie es sich auswirkt wenn man das „Show, don’t tell“-Prinzip umwirkt auf ein „Tell, Don’t Show“.

Katanagatari und Tell, Don’t Show

Katanagatari selbst ist jedenfalls ein Titel, welcher mit dem Zuschauer selbst spielt. Sämtliche Ereignisse, Nacherzählungen welche passiert sindund bei dem unser Duo nicht mit involviert war sind entweder Lügen, falsche Informationen oder schlichtes Unwissen über das, was passiert ist. Man muss sich als Zuschauer selbst hinterfragen, was denn nun glaubhaft oder vertrauenswürdig sei und was nicht. Der Anime schafft es mit seinen Dialogen den Zuschauer zu verwirren, gar zu verarschen. Und dabei spielt er auch nicht mit den Erwartungen des Zuschauers.

Katanagatari selbst ist nicht schwer zu verstehen. Jedoch verlangt die Serie eine gewisse Aufmerksamkeit, um Details zu erkennen, welche innerhalb der Dialoge sich abspielen. Auch die Art, wie die Charaktere die Dialoge hinsichtlich der Stimmlage führen ist hier ein essenzieller Punkt, welchem man durchgehend Aufmerksamkeit schenken sollte.

Auch die Doppelseitigkeit der Charaktere spielt neben dem „Tell, don’t show“ bei Katanagatari eine Rolle. Neben den bereits erwähnten Lügen ist man sich wie z.B: bei Togame nie sicher, wie böse sie in Wirklichkeit ist – dadurch das sie sehr selbstsicher klingt, so ist dieser Kontrast zwischen dem was sie sagt, und wie sie sich verhält mit ihren Aktionen (Tollpatschigkeit, kühn, etc) immer in einem gewissen Mittelding.

Togame wird durch die Darstellung von Isin so dargestellt, das man sich nie sicher sein kann was ihre Intensionen sind. Ihre Manipulierfähigkeit gegenüber anderen Charakteren aber auch unserem Hauptprotagonisten sind sehr vielfältig. Im Endeffekt hängt alles von unserer Vorstellungskraft ab, wie wir die Dinge sehen wollen. Wenn wie schon erwähnt, ein Charakter über ein vergangenes Ereignis berichtet, sind wir so manipuliert worden, das wir nicht einschätzen können, was seine Interaktionen in diesem Ereignis sind, oder was das Ereignis aus dem Charakter gemacht hat. Wir sehen nur das, was die Person geworden ist, und nicht den laufenden Prozess wie eine Person wird. Wie etwa  in anderen Anime.

Katanagatari spielt mit dem Zuschauer

Frei nach Alfred Hitchcock’s Meinung das man die Monster, welche man nicht sieht, diese sind, von den du am meisten Angst haben solltest, ist es das mysteriöse – so siehst du das die Person ein Tattoo gestochen hat mit der Begründung, er wolle die Narbe verdecken. Denn dieses Tattoo trägt er seit Kindesalter mit sich. Das Tattoo selbst ist jedoch so gestochen, dass du die besagte Narbe nicht siehst. Diese Blockierung der „Entfaltung“ ist ein Punkt, welcher den Reiz aus macht.

Zusammenfassend jedoch muss man sagen, das es auf die Umsetzung der Geschichte ankommt. Sowohl „Show, Don’t Tell“ als auch „Tell, Don’t Show“ bieten sowohl Vor- und auch Nachteile die den Zuschauer effektiv beeinflussen können – diesen Mittelweg zu finden ist das, was eine gute Serie ausmachen kann und auch diese vor Scheitern retten kann.

3 Kommentare

  1. Wie du schon gesagt hast, ist es der Mittelweg auf den es ankommt. Allerdings stimme ich dir absolut nicht zu, dass „Tell, don’t show“ der bessere Weg ist um Drama und Emotionen rüberzubringen. Studio Kyoto Animation sind meister darin Emotionen über die Animationen rüberzubringen und für mich schlägt dass deutlich stärker ein als wenn die Charaktere ihre Emotionen einfach erklären würden.

    Ich möchte noch eine kurze Kritik anbringen, die hoffentlich die Qualität deiner Texte stark verbessert. Mach doch bitte eine Korrekturlesung, bevor du einen Text veröffentlichst. Sowohl Rechtschreib- als auch Strukturfehler stören den Lesefluss doch sehr.

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