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Sind Anime-DVDs ihr Geld noch wert?

Anime DVDs sind oft günstiger als Blu-rays. Doch wie sieht die Qualität dahinter aus?

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Wer Anime liebt, lebt teuer. Viele Anime- und Mangafans bezeichnen das Hobby als sehr teuer, da die Anschaffungskosten gerade als Sammler teilweise enorm sind, wenn man nicht auf Sonderangebote zurückgreift. Nicht nur deswegen greifen Animefans zur oft günstigen DVD. Weshalb das Format allerdings schon lange nicht mehr aktuell ist und man gerade bei aktuellen Veröffentlichungen auf Blu-rays zurückgreifen sollte, möchte ich hier aufzeigen.

Zwei Formate, zwei Qualitätsstufen

Dazu sollten wir uns als erstes anschauen, welche Daten uns bei beiden Formaten vorliegen und wo die maßgeblichen Unterschiede sind.

Die Unterschiede im Detail:
Parameter Blu-ray DVD
Erscheinungsjahr 2007 1996
Speicherkapaziät
  • 25GB (Single-Layer)
  • 50GB (Dual-Layer)
  • 4.7GB (Single-Layer)
  • 8.5GB (Dual-Layer)
Komprimierung
  • MPEG2
  • VC-1
  • H.264
  • MPEG2
Videobitrate max 40 mbit/s max 9,8 mbit/s
Audioformate
  • DD
  • DTS-HD MA
  • Dolby True HD
  • PCM
  • DD
  • DTS
  • PCM
Aufzeichnungszeit
  • HD 2 Std. (25GB)
  • HD 4 Std. (50 GB)

 

  • SD 90 Min. (4.7GB)
  • SD 150 Min. (8,5GB)
maximale Auflösung
  • HD (1920×1080)
  • SD (720×480) (NTSC)
  • SD (720×576) (PAL)
Ausgang
  • 720p
  • 1080i
  • 1080p
  • 480p, 480i (NTSC)
  • 576p, 576i (PAL)

Bekannte Probleme einer DVD

Vergleicht man die Zahlen, erkennt man sofort folgendes: die Speicherkapazität bei der Blu-ray ist um ein vielfaches größer als bei einer herkömmlichen DVD. Das ermöglicht uns folgende Vorteile:

  • höhere Auflösung (siehe maximale Auflösung)
  • verlustfrei komprimierte Tonformate verwendbar
  • mehr Episoden pro Disc möglich
  • volle Unterstützung von Breitbild-Formaten (16:9)

Doch auch abseits dieser Eckdaten zeigen sich Vorteile: So unterstützt das Blu-ray-Format die im Kino-Bereich übliche Wiedergabe mit 23,976 Bildern pro Sekunde, die zumindest von den in Europa üblichen PAL-DVDs nicht unterstützt wird. In den meisten Fällen behelfen sich die Produzenten damit, das Videomaterial auf europäischen DVDs um rund 4% schneller abzuspielen. Diese Beschleunigung hat damit Auswirkungen auf den Ton (inklusive Musik) und hat zumindest früher häufig dazu geführt, dass Stimmen und Töne etwa 0,7 Halbtöne höher klangen. Wurde die Vertonung erst nach der Videobeschleunigung durchgeführt (etwa bei RTL2-TV-Serien), kann eine Verlangsamung durch den umgekehrten Effekt ebenfalls zu Problemen führen.

Die Alternative zur Beschleunigung wäre es, einzelne Bilder zu verdoppeln. Das kann allerdings zu einzelnen, aber sichtbaren Ruckler führen. Wurde ein Anime hingegen, wie Anfang der 2000er Jahre durchaus üblich, in 60 Halbbildern pro Sekunde (NTSC-Format) produziert, werden die einzelnen Frames teilweise überblendet, da der Geschwindigkeitsunterschied zu groß wäre.

Gerade bei alten Anime kommt aber noch ein anderes Problem hinzu: Damals war es üblich, dass Produktionen sich an VHS und der Laserdisc orientiert haben. Dadurch können Probleme entstehen, die eine moderne DVD eigentlich nicht haben müsste. Deshalb werden Blu-ray Veröffentlichungen zum Anlass genommen, das jeweilige Rohmaterial des Anime noch einmal mit aktueller Technik zu digitalisieren. Dadurch profitieren auch des öfteren die DVD-Veröffentlichungen wie etwa die Dragon Ball-Filme.

 

Die Dragon Ball Filme werden in der Blu ray-Fassung in der ursprünglich fürs Kino produzierten Variante präsentiert. Damit erstrahlt Dragon Ball in Breitbild. Für das Remaster wurden die Farben korrigiert und Bildfehler wegpoliert – mit ihnen ist auch das Filmkorn verschwunden. Das Endergebnis kann sich zwar sehen lassen, es gibt aber viele Fans, die diese Nachbearbeitung nicht gut finden, da dadurch zu viele Details verloren gehen.

Auch Untertitel sind betroffen

Ein selten beachteter Aspekt, der aber gerade Anime-Fans betrifft: Für Untertitel stehen in der DVD-Version nur 2 Bit (d.h. 4 Farben) zur Verfügung. Da eine dieser Farben transparent sein muss und in der Praxis zumeist eine weitere, dunkle Farbe als Umrandung der Untertitel genutzt wird, bleiben für die eigentlichen Untertitel nur noch zwei Farben übrig. Diese sind jedoch frei wählbar. “Bunte” Untertitel wie bei Fansubs sind deshalb nicht möglich. Bei DVDs im 16:9-Format kommt erschwerend hinzu, dass die Untertitel selbst im 4:3-Format gespeichert werden und erst vom Abspielgerät in die Breite gezerrt werden, was in nochmals kantigeren Ergebnissen resultiert. 

Blu-ray ohne prinzipbedingte Nachteile

Zumindest, wenn bei der Produktion selbst keine groben Fehler gemacht werden, ist die Blu-ray der DVD qualitativ immer überlegen. Der Aufpreis, der aus den höheren Produktionskosten resultiert, ist aber nicht immer gerechtfertigt. Das zeigt beispielsweise die kürzlich in Japan veröffentlichte Blu-ray von Blood+, bei der die Unterschiede zur vorherigen DVD-Veröffentlichung im Grunde mit der Lupe zu suchen sind. Auch bei anderen Anime-Serien der frühen 2000er Jahre sind die Unterschiede oft sehr gering, denn diese entstanden vielfach digital mit einer Auflösung im SD-Bereich (720×480). Für die Blu-ray wurde das Bildmaterial also nur hochskaliert, was prinzipiell auch das Abspielgerät könnte. Das Ergebnis würde gleich aussehen. 

Einige Titel mit actionreichen Szenen profitieren dennoch von den wesentlich höheren Bitraten der Blu-ray, während die technischen Einschränkungen der DVD zu Blockbildung und anderen Bildartefakten führen können.

Alte Titel im neuen Glanz zu bringen ist oft nur sehr schwer möglich

Bei Serien, die klassisch analog auf Film produziert wurden, bietet es sich hingegen an, das komplette Filmmaterial erneut zu digitalisieren. Dies ist jedoch mit Kosten von mehr als 1.000$ pro Episode verbunden, und sollte das Material bei der jahrzehntelangen Lagerung Schäden erlitten haben, kommen die Kosten für die digitale Nachbearbeitung noch dazu. In Einzelfällen, etwa bei Episode 16 von Neon Genesis Evangelion, ist es schlichtweg unmöglich, weil das Originalmaterial verloren ging oder zerstört wurde. Leider gilt dies zum Teil auch für die deutschen Openings einiger Serien (z.B. von RTL2).

Manchmal sind es, besonders bei langen Serien wie Pokémon (Staffel 1), aber auch schlichtweg die Kosten, die dagegen sprechen, so dass die für die DVD-Veröffentlichung oder die TV-Ausstrahlung verwendeten Master lediglich digital aufpoliert werden.

Verzichtet man ganz auf eine Überarbeitung, ist SD in Blu-ray eine Option. So geschehen kürzlich bei Solty Rei. Dabei entspricht die Bildqualität naturgemäß weitgehend der DVD und der Vorteil beschränkt sich auf etwas schönere Untertitel. Dafür sind die Kosten oft wesentlich geringer als für DVDs, denn in SD-Qualität fasst eine Blu-ray rund 20 Stunden Videomaterial.

Ein Blick ins Ausland

Während der Anime-Fan in Deutschland bei aktuellen Titeln fast immer die Wahl zwischen DVD und Blu-ray hat, von den TV-Serien One Piece und Detektiv Conan mal abgesehen, erscheinen in Japan, Amerika und Großbritannien zahlreiche Anime nur noch auf Blu-ray. Anders sieht es hingegen in Frankreich aus, wo aus Kostengründen auch von Anfang an in HD produzierte Serien wie etwa Golden Kamuy oder Orange nur auf DVD erscheinen. Denn gerade bei kleinen Auflagen ist die Herstellung von DVDs erheblich günstiger. Bei vielen Serien sind allerdings die einzigen DVDs, die man auf gängigen Auktionsplattformen findet, Fälschungen aus Malaysia. Das ist aber ein anderes Thema, auf das ich bereits in einem anderen Artikel eingegangen bin.

Alles zum Thema Fälschungen aus Malaysia erfahrt ihr hier!

Wie sieht das ganze nun in der Praxis aus?

Dazu schauen wir uns folgende Anime-Screenshots genauer an.

 

School Live! ist eine im Jahr 2015 produzierte Serie und dient hier als aktuelles Beispiel. Zwar schlägt sich die DVD recht gut, doch speziell in Szenen mit schnellen Bewegungen, wie etwa im Opening, zeigen sich Kompressionsartefakte.

Slayers: the Book of Spells aus dem Jahr 1996 ist nicht nur ein Beispiel für eine eher misslungene DVD-Version (Bild 4 offenbart sogar Geisterbilder), sondern auch dafür, wie gut eine restaurierte Version auf Blu-ray aussehen kann.

Bei Cardcaptor Sakura: Die Reise nach Hongkong zeigt sich, dass eine Blu-ray auch gegenüber einer guten DVD eines Klassikers punkten kann. Anders als bei Dragon Ball wurde hier das Filmkorn nicht entfernt.

Fazit: Lohnen sich noch Anime-DVDs im Jahr 2020? Und rechtfertigen Blu-rays den hohen Preis?

Die Frage, ob man nun zur Blu-ray oder DVD greifen sollte, ist vor allem aus technischer Sicht sehr komplex und lässt sich eigentlich nur mit folgender Aussage beantworten:

Es kommt auf den Anime an!

Klar ist, dass aktuelle Anime heutzutage auf beiden Medien sehr gut aussehen. Trotz allem finden sich gerade beim Ton und den Untertiteln Unterschiede. Die größten Abweichungen gibt es überraschenderweise bei Animes, die um oder vor der Jahrtausendwende produziert wurden. Die müssen aber dafür dementsprechend restauriert werden. 

Doch bei fast jedem Titel bietet die Blu-ray unterm Strich Vorteile gegenüber einer herkömmlichen DVD. Hat man also die Möglichkeit, sich eine Blu-ray zu kaufen, sollte man diese wählen. Auch das Argument, dass Blu-ray-Player teuer sind, zählt im Jahr 2020 praktisch nicht mehr.

Außer Frage steht natürlich, dass eine Blu-ray qualitativ den meisten Streaming-Anbietern deutlich überlegen ist. Auch sollte man erwähnen, dass sämtliche Anime abseits der RTL2-Klassiker auf DVD und Blu-ray selbstverständlich unzensiert wird.

Vielen Dank an RocketsSnorlax von aniSearch für die technische Beratung und Bereitstellung der Bilder!

2 Kommentare

  1. Sehr schöne Gegenüberstellung.
    Ich persönlich bevorzuge Blu Ray aufgrund der Bildqualität.

    Ich finde es aber Schade, dass z.b bei A Silent Voice die DVD Verpackung schöner ist, da das Bild sich über die ganze Packung erstreckt während bei der Blu Ray Fassung die unpassende blaue Kante oben und unten zu sehen ist.

    Dennoch kommt mir (insofern möglich) nur Blu Ray ins Haus.

  2. Guter Artikel, der das ganze Blu-ray/DVD-Thema nochmal nachvollziehbar darstellt.
    Es gibt ja tatsächlich noch welche die auch weiterhin auf die DVD schwören und auch nicht davon wegkommen wollen. Sie sagen zwar, dass sie die bessere Bildqualität nicht brauchen, aber ich hab da schon mehr den Eindruck, dass diese Leute eher Veränderungen scheuen und/oder nicht auf eine bessere Hardware wechseln wollen wegen den Kosten. So wissen sie auch nicht die anderen Vorteile einer Blu-ray abseits der besseren Bildqualität.

    Ich selber bin schon vor 10 Jahren zur Blu-ray gewechselt und es war eine gute Entscheidung gewesen. Bei den meisten Animes ist es bei uns so, dass die DVD-Version im Schnitt 10€ billiger ist. Der Preisabstand kann aber schon mal deutlich kleiner sein. Vor allem Animoon macht da vom Preis her kaum noch einen Unterschied. Über Amazon liegt der Unterschied auch nur noch bei so um die 5€.

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