So war die Gamescom 2025!

Vom 19. bis 24. August 2025 haben die Hallen der größten Spielemesse der Welt wieder ihre Türen geöffnet: die Gamescom. Hier erfahrt ihr meine Eindrücke von meinem ersten Besuch.

In diesem Beitrag geht es um meine Gamescom-Erfahrung, weniger um die angespielten oder vorgestellten Spiele. Diese werde ich in mehreren separaten Artikeln besprechen.

Von der Gaming-Messe zur Influencer-Messe und zurück

Erster Besuch? Richtig gelesen. Für mich war es tatsächlich der erste Aufenthalt auf der Gamescom überhaupt. Mein bisheriger Messe-Lebenslauf liegt schon eine Weile zurück: Das war 2007, als die Gamescom noch Games Convention hieß und in Leipzig stattfand – nicht in Köln.

Seitdem hat sich nicht nur die Messe selbst extrem gewandelt. Klar, meine lange Abstinenz lässt sich – neben einer globalen Pandemie – auch auf die unzähligen Horrorgeschichten über riesige Menschenmassen, stundenlange Warteschlangen oder den Aufstieg des Social-Media-Ruhms zurückführen. Es gab schließlich Jahre, in denen große Streamer und YouTube-Schaffende die Gamescom eher als Plattform für sich selbst sahen, weniger für Gaming. Zum Glück waren das klare Ausnahmen, und mittlerweile hat man klare Abgrenzungen geschaffen.

Ja, es gibt immer noch unzählige YouTube- und Twitch-Influencer mit bezahlten Gigs oder Signierstunden. Aber die Veranstaltenden versuchen inzwischen, diese so zu integrieren, dass sie nicht den Fokus bilden. Denn es geht vor allem um eins: Gaming. Allein die Tatsache, dass es eine räumliche Trennung zwischen Meet & Greet-Bereich und Event Arena gab, zeigt, dass Kritik der vergangenen Jahre angekommen ist.

Die Messe bietet so viel, dass es auf den ersten Blick fast erschlagend wirken kann. Ich hatte mir im Vorfeld vorgenommen, vor allem den Fachbesucher- und Medientag zu nutzen, um die Hallen in Ruhe zu erkunden. Und im Nachhinein muss ich sagen: Das war eine verdammt kluge Entscheidung. Denn jede Halle hatte eine eigene Besonderheit. So gab es im Indie-Bereich die Retroecke, eine VR/AR-Spielwiese, Rutschen, ein Cosplay-Village … und vieles mehr. Beim Schreiben dieses Textes fällt mir zum Beispiel auf, dass ich quasi fast jede Halle besucht habe – außer Halle 1 und 11. Während Halle 1 eine riesige Bühne bot, bei der die Opening Night Live gestreamt wurde, war Halle 11 vor allem den Content Creatorn und Signing-Sesions vorenthalten.

Denn egal, was man für Geschichten hört oder wie jemand im Stil von „Das war schon immer so“ allerlei Dinge erzählt: Die Gamescom hautnah zu erleben, ist etwas völlig Eigenes. Besonders für jemanden wie mich, der eher von reinen oder Mixed-Media-Messen wie der AnimagiC, Leipziger Buchmesse, dem Anime Festival Babelsberg oder der DoKomi kommt, ist diese … Professionalität erstaunlich. Klar, ein direkter Vergleich hinkt, aber gerade im Gegensatz zur AnimagiC, die sich selbst gern als „Fachmesse“ versteht, merkt man der Gamescom an, wie schnell und reibungslos alles läuft. Ob Badge-Abholung, unzählige Helfende in den Hallen stationiert oder die grundlegende Organisation: Die Gamescom macht vieles richtig, von dem sich andere Messen eine Scheibe abschneiden sollten.

Größer als gedacht

Eine meiner größten Überraschungen war die schiere Größe der Hallen. Nicht nur deutlich größer als etwa die DoKomi in Düsseldorf oder die Messehallen in Leipzig – vor allem die Tiefe macht Eindruck. Viele Hallen, wie die Business- oder Indie-Area, waren sogar zweistöckig. Das verdoppelt zwar die Laufwege, erlaubt den Veranstaltenden aber, die Stände großzügig zu verteilen und trotzdem breite Gänge freizuhalten.

Stände zwischen nüchtern und glamourös

Was die Publisher- und Entwicklerstände angeht: einer imposanter als der andere. Gerade bei den großen Ständen sieht man sofort, dass hier ein ordentliches Budget geflossen ist. Es würde mich nicht wundern, wenn die fünfstelligen Standkosten innerhalb von zwei Messetagen wieder eingespielt werden – allein durch Vorbestellungen oder Spontankäufe auf Steam. Und man darf natürlich die ganzen Messegoodies vergessen, die es quasi überall gab.

Welche Publisher präsent sind, wirkt dagegen fast wie Glückssache. Nintendo war dieses Jahr dabei, Sony dagegen nicht – jedes Jahr aufs Neue ein bisschen wie eine On-/Off-Beziehung.

Schade? Ja. Aber so haben andere die Chance, im Rampenlicht zu stehen. Ubisoft war mit Anno 117 vertreten und hatte seinen Stand im römischen Stil aufgebaut. HoYoverse präsentierte gleich eine ganze Themenwelt zu ZZZ, Genshin Impact und Honkai: Star Rail – inklusive eigenem, riesigen Shop. Währenddessen stellten Newcomer wie Neverness to Everness oder Arknights: Endfield vor allem ihre Spiele in den Vordergrund. Allein die Merchandise-Halle mit ihren zwei Ebenen erlaubt es den gängigen Figurenhändler aus dem Vollen zu schöpfen und das zwei, oder dreifache anzubieten. Zu den üblichen Messepreise, natürlich.

Besonders viel wurde mir im Vorfeld von der Indie-Area erzählt: Und ja, sie ist tatsächlich ein kleiner Geheimtipp. Die Masse an anspielbaren Demos kann zwar überwältigen, aber das Feeling ist ein völlig anderes als bei den hochpolierten AAA-Ständen. Nicht selten setzt man sich einfach zu einem Spiel, und plötzlich erklärt einem der Solo-Entwickler persönlich den Titel. Hat man dann Spaß an dem Spiel, merkt man sofort, wie sehr sich die Leute freuen.

Und auch sprachliche Barrieren gehören irgendwie zum Charme der Indie-Area: Hände, Füße, App-Übersetzer – alles wird genutzt. Es zeigt nur eines: Gaming findet überall statt, und überall auf der Welt gibt es ambitionierte Menschen, die ihre Leidenschaft teilen wollen.

GamesCom – eine kulinarische Weltreise

Nach mehreren Stunden Messebesuch bei denen man unzählie Spiele angetestet und  Warteschlangen ertragen hat, fragt man sich: Muss man Angst haben, zu verhungern oder zu verdursten? Absolut nicht! Im Gegensatz zu vielen Anime-Messen gibt es keinerlei Einschränkungen beim Mitbringen von Essen und Trinken. Und wer nichts dabeihat, findet in jeder Halle und auf den Außenflächen mehr als genug Essensstände und Sitzmöglichkeiten.

Das Angebot reicht von Restaurants mit Rumpsteak bis hin zu Thai-Nudeln, Hamburgern oder Klassikern wie Pommes und Hot Dogs. Natürlich zu Messepreisen; wobei die Foodtrucks draußen preislich oft humaner waren als die Stände in den Hallen. Dazu gab es passende Aussenareale, die zum Beispiel hinter der Halle 8, allerlei Sitzmöglichkeiten und Strandatmosphäre gab.

Eine (fast) perfekte Messe?

Kritikpunkte gibt es, aber sie fallen je nach Person unterschiedlich ins Gewicht.

Weiterhin gab es wohl keine offizielle App für Normalbesuchende der Messe. Die Fachbesuchende und Ausstellende hatten die GamesCom biz-App. Diese hatte aber ihre eigene Probleme:

  • App-Situation: Für Normalbesucher gab es offenbar keine offizielle App. Die Business- und Fachbesucher hatten die „Gamescom biz“-App – allerdings mit eigenen Problemen. Dort sollte eine KI etwa Termin-Vorschläge machen, passend zum Profil. In meinem Fall etwa japanische Publisher. Das Problem: Die App hat Termine nicht nur vorgeschlagen, sondern automatisch gebucht. Ergebnis: plötzlich 1000 zusätzliche Termine im Kalender. Ein ärgerlicher, aber vermeidbarer Bug. Am Ende war die App eigentlich nur ein digitales Ticketheft.
  • Beschilderung: Trotz riesiger Tafeln an den Decken fand ich die Orientierung nicht optimal. Wegen der Besuchermassen gab es oft (mit QR-Code begründete) Umleitungen über Brücken oder den Außenarealen – nervig, aber nachvollziehbar. Eine farbige Bodenbeschriftung, wie man sie etwa von der Japan Expo kennt, hätte enorm geholfen und wäre sicher auch für Sponsoren interessant gewesen.

  • Programmheft: Für den Businessbereich gab es ein Magazin mit allen Ausstellern, Highlights und Übersichten. Aber warum nicht auch für reguläre Besucher? Vielleicht habe ich es übersehen, aber gefühlt ist das eine verschenkte Chance. Klar, bei der Größe der Messe wäre das ein dicker Wälzer, doch es würde enorm zur Übersicht beitragen – gerade, wenn es schon keine App gibt.

  • KI-Merchandise: Ein Dauerthema. Während das bei Anime-Messen mittlerweile angekommen ist und man strikt dagegen vorgeht, hat man das bei der GamesCom irgendwie verschlafen. Ja, das Thema hat gerade im Businessbereich seinen Platz gefunden, aber dass Händler in der Merch-Area sowas ohne Probleme verkaufen dürfen ist ärgerlich. Hier muss man unbedingt eine Kontrolle vor Messestart machen um sowas direkt auszufiltern.

Und nach genauerem Überlegen war’s das eigentlich schon mit meinen großen Kritikpunkten. Die oft zitierte „Influencer-Messe“ kann ich absolut nicht bestätigen. Lange Warteschlangen bei großen Titeln? Ärgerlich, aber erwartbar. Sitzmöglichkeiten und Ausweichflächen? Genug vorhanden. Selbst das Wetter spielte mit.

Desweiteren gab es ein, für den Businessbereich bedrucktes Magazin mit allen Ausstellern, Programmhighlights und vieles mehr. Inklusive Standübersicht des Businessbereiches, also Halle 2.1, 2.2, 3.1, 3.2, 4.1 und 4.2. Und hier frage ich mich: wieso gibt es sowas nicht für den regulären Besucher? Oder habe ich das schlichtweg übersehen? Das ist ganz klar eine vertane Chance, könnte man hier wie auf Animemessen üblich, ein Programmheft erstellen, etc. Natürlich wäre das bei der Größe der GamesCom gefühlt ein Tausendseitiges Buch und bei einer Überproduktion bleibt man auf einige Ausgaben sitzen. Aber das würde so viel zur Übersicht und der Navigation beitragen, wenn es denn schon keine App für den Normalo-Besucher ist.

Und nach genauerem überlegen … waren das eigentlich schon die großen Kritikpunkte der GamesCom für mich. Der wohl größte Kritikpunkt, dass das eine Influencer-Messe sei, kann ich absolut nicht nachvollziehen, Warteschlangen sind gerade bei den größeren Titeln ärgerlich, aber erwartbar. Sitzmöglichkeiten und Ausweichgänge waren ausreichend vorhanden und sogar das Wetter spielte mit.

Für mich hat sich jedenfalls die GamesCom als Must-Visit-Messe etabliert und ich versuche, nächstes Jahr, wenn die Messe vom 26. bis 30. August stattfinden wird, alle Tage mitzunehmen. Das ermöglicht mir nicht nur das Mitnehmen der Opening Night Live, sondern auch schlicht eine bessere Terminplanung. Ich hatte Donnerstag und Freitag im 30-Minuten-Takt ein Termin, von Messeöffnung bis zum Schluss. Da ist selbst das Umherrennen auf der AnimagiC, wenn es wieder Mal Überschneidungen gibt, nichts dagegen.

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