Anime-Ersteindrücke Frühling 2026

Wenn der Schnee schmilzt und die Blumen blühen heißt es wieder: Auch im Frühling 2026 erwartet Anime-Fans wieder eine Vielzahl hochkarätiger Titel, darunter zahlreiche Fortsetzungen beliebter Serien. Drei Anime möchte ich dabei besonders vorstellen.

Die Vorab-Screener wurden freundlicherweise von Crunchyroll zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

The Drops of God (Start: 10. April)

Als der weltweit renommierte Weinkritiker Kanzaki stirbt, offenbart sein Testament, dass seine gewaltige Weinsammlung keineswegs selbstverständlich an seinen einzigen Sohn fällt, der ihn brüskiert hat, indem er ausgerechnet im Biervertrieb zu arbeiten begann.

Um das Erbe antreten zu können, muss Shizuku im Wettstreit mit einem glänzenden jungen Kritiker zwölf „himmelgesandte“ Weine identifizieren, deren Eindrücke im Testament in blumigen Worten beschrieben sind … (Synopsis via Crunchyroll)

The Drops of God ist eines dieser Beispiele, wie herrlich spezifisch Anime Themen behandeln kann. Denn hier geht es um nichts Geringeres als eines der beliebtesten alkoholischen Getränke der Deutschen (nach Bier natürlich): Wein!

Und ja, auch die Prämisse kann durchaus Interesse wecken: Als Erbe eines Weinkritikers kämpft der Sohn um dessen beachtliche Weinsammlung. Die Aufgabe? Zwölf Weine so zu identifizieren, wie es im Testament beschrieben ist. Dank der Hilfe einer jungen Sommelierin findet er dabei auch schnell Unterstützung.

So interessant die Geschichte auch klingt und so erfolgreich sie in Japan ist, denn immerhin gibt es bereits eine Live-Action-Serie und auch die Manga-Vorlage hat längst die 40 Bände überschritten. Der Anime hat aber ein signifikantes Problem: die Produktion selbst.

Natürlich kann und sollte man bei solch einem Nischenthema keine erstklassige Animation erwarten. Allerdings ist The Drops of God selbst mit dieser niedrigeren Erwartungshaltung in vielen Bereichen schlichtweg enttäuschend. Extrem starre Bewegungen, während sich die wenigen Highlights meist auf gutes CG reduzieren lässt. Dass die japanische Synchronisation zudem nicht immer lippensynchron mit der Animation ist, ist dabei noch das kleinste Problem.

Das größere Übel sind allerdings die ebenfalls sehr steifen Gespräche. Diese fühlen sich wirklich sehr gekünstelt an. Und das bei einem Anime. The Drops of God wird wohl einer der Titel sein, die später oder früher in der Produktion zusammenbrechen werden. Leider ist das mittlerweile bei mindestens zwei, drei Titel pro Season die Norm.

Alles in allem wird es The Drops of God sehr schwer haben, gerade wenn man sich die anderen, vielversprechenden Neustarts anschaut. Und das ist wirklich schade, denn die Tatsache, dass man hier durchaus einiges über Wein lernen kann, ist wirklich etwas Einmaliges.

Daemons of the Shadow Realm (Start: 4. April)

 Yuru führt ein ruhiges Leben in einem abgelegenen Bergdorf. Während er seine Zeit damit verbringt, Vögel zu jagen, erfüllt seine Zwillingsschwester Asa freiwillig eine mysteriöse Pflicht, die sie dazu zwingt, in einem Kerker eingesperrt zu sein. Eines Tages stürmt jedoch plötzlich eine Sondereinheit mit übermenschlichen Fähigkeiten das Dorf und wirft damit Fragen auf, die sich Yuru nie gestellt hat. Was hat es mit den Angreifern auf sich? Was wollen sie von seiner Schwester? Und was sind die Bande von denen sie sprachen? (Synopsis via Altraverse)

Mit Daemons of the Shadow Realm (besser bekannt in Deutschland unter dem Titel Das Band der Unterwelt) bekommen wir die nächste Adaption von Hiromu Arakawa. Wer mit dem Namen nichts anfangen kann, hier zwei ihrer beliebtesten Werke: Silver Spoon und Fullmetal Alchemist(: Brotherhood). Gerade mit letzterem hat sie quasi den Go-to-Manga (bzw. Anime) für viele Fans geschaffen, wenn es darum geht zu zeigen, dass das Medium nicht nur aus Ecchi besteht.

So oder so: Die Fußstapfen, in die Daemons of the Shadow Realm treten muss, sind immens. Das anhand einer Episode direkt zu beurteilen, ist schwierig. Da zwischen den beiden Mangastarts rund 20 Jahre liegen, fühlt sich vieles vertraut und zugleich anders an.

Das zeigt sich schon beim Gewaltgrad: Daemons of the Shadow Realm wirkt in der ersten Episode gefühlt brutaler als die komplette Fullmetal Alchemist-Reihe. Storytechnisch bekommt man in der ersten Folge einen Einblick in die Charaktere sowie einen Teil der Welt, in der der Anime spielt. Viel mehr lässt sich allerdings noch nicht sagen. Auch Yuru ist von den Ereignissen der ersten Episode komplett überwältigt und wirft dabei genauso viele Fragen auf wie der Zuschauer. Man darf gespannt sein, in welche Richtung der Titel noch gehen wird.

Immerhin kann der Anime in der ersten Episode optisch überzeugen: Mit Bones Film (oder einfach nur Bones) hat man nicht nur das Studio hinter My Hero Academia an Bord. Jüngst konnte man mit Gachiakuta ebenfalls einen großen Shounen-Titel mit einer mehr als soliden Produktion veröffentlichen. Es würde mich daher nicht wundern, wenn bald die Meldung kommt, dass der Titel bereits komplett fertig animiert wurde.

Witch Hat Atelier (Start: 6. April)

Eine Hexe wird man nicht, eine Hexe ist man – und zwar von Geburt an. Coco wurde nicht als Hexe geboren, aber ihren Traum vom Zaubern gibt sie deswegen noch lange nicht auf. Als eines Tages unerwartet ein Zauberer in ihr Dorf kommt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sie folgt ihm auf Schritt und Tritt, und begeht einen tragischen Fehler. (Synopsis via Crunchyroll)

Mit Witch Hat Atelier erscheint nach langer Wartezeit (und mehreren Verschiebungen) wohl einer der meist erwarteten Anime des Jahres 2026. Und nach den ersten beiden Episoden, die als Double-Feature zum Start am 6. April veröffentlicht werden, lässt sich sagen: Das Warten hat sich gelohnt.

Als Fan der Manga-Vorlage von Kamome Shirahama muss ich zugeben: Die Verschiebungen haben bei mir durchaus ein gewisses Unbehagen ausgelöst. Eine schwache Adaption würde dem Manga mit seinen detailverliebten Zeichnungen schlicht nicht gerecht werden. Als Fan von Satoshi Mizukami habe ich da nur zu schlechte Erfahrung gemacht.

Diese Skepsis verfliegt jedoch bereits nach wenigen Sekunden. Dabei bekommt man zunächst nur einen Prolog geboten. Die Serie nimmt sich bewusst Zeit und setzt stärker auf Atmosphäre und Worldbuilding als auf schnelle Action. Wir sehen, wie sich Cocos Liebe zur Magie in ihrem Alltag widerspiegelt. Ihre Augen leuchten, wann immer sie Wäsche in einer sich selbst reinigenden Zauberquelle wäscht oder davon träumt, der Wind würde die Laken in einen Flugumhang verwandeln.

Doch diese Fantasien weichen schnell einer ernüchternden Realität, als Coco auf den Hexer Qifrey trifft, das ungewollt zum Auslöser ihrer Reise ins (Magie-)Unbekannte wird. In den ersten beiden Episoden erlebt man als Zuschauender, wie Coco eher unfreiwillig zur Hexe wird und dabei einen ersten Einblick in diese Welt der Magie erhält.

Gerade dieses Magiesystem gehört schon jetzt zu den spannendsten Aspekten der Serie. Denn statt klassischer Zaubersprüche basiert die Magie in Witch Hat Atelier auf Zeichnungen, was dem Ganzen nicht nur visuell, sondern auch konzeptionell eine erfrischend andere Note verleiht.

Neben Coco werden zudem die ersten wichtigen Figuren eingeführt. Während Manga-Kenner schlichtweg begeistert sein dürften, ihre Lieblingscharaktere animiert zu sehen, könnten Neulinge zunächst Schwierigkeiten haben, einen Zugang zur Serie zu finden. Das liegt vor allem am gemächlichen Tempo. Der Einstieg ist ruhig, fast schon zurückhaltend inszeniert und verzichtet in den ersten Minuten sogar auf den ansonsten gelungenen Soundtrack.

Auch visuell kann Witch Hat Atelier eine der interessantesten Titel der kommenden Season werden. Die detailreichen Hintergründe und die Inszenierung tragen maßgeblich zur märchenhaften Atmosphäre bei, auch wenn die eigentliche Handlung dadurch stellenweise in den Hintergrund rückt. Nach den ersten Episoden bleibt die übergeordnete Story zudem noch überraschend vage, da der Fokus klar auf dem Aufbau der Welt liegt.

Ein kleiner Unsicherheitsfaktor

Also scheint alles perfekt in der Zauberwelt zu sein, oder etwa nicht? Mitnichten! Denn Bug Films, das Animationsstudio hinter Zom 100: Bucket List of the Dead, hat mit der Zombie-Komödie zwar bewiesen, wie kreativ sie sich ausleben können. Allerdings ist ihnen gerade gegen Ende der TV-Serie spürbar die Luft ausgegangen. Manch einer erinnert sich sicher noch an die zahlreichen Recap-Episoden oder die mehrmonatige Pause vor den finalen Folgen.

Man kann nur hoffen, dass das Zeitmanagement bei Witch Hat Atelier besser geregelt ist. Denn wenn das der Fall ist, hat man hier ohne Probleme einen Anime, der am Ende des Jahres auf vielen Toplisten landen dürfte und das Herz vieler Animefans erobern wird.

(Das Opening des Animes, gesungen von Eve ft. suis von Yorushika erinnert mich übrigens sehr stark an Of Monsters and Men – Little Talks, aber psst.)

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