Review: Ariana and the Elder Codex

Mit Ariana and the Elder Codex bekommen etwas verspätet nun auch PC-Spielende am 29. April die Möglichkeit, einen großen Metroidvania-ähnlichen Geheimtipp des Jahres 2026 zu spielen. Der Test verrät, wie gut das Spiel wirklich ist und ob die Vorschusslorbeeren dem gerecht werden.

 Ariana must restore the Codices and unravel the Library’s hidden truths… (Synopsis via Steam)

Vielen Dank an Idea Factory für das Bereitstellen eines Review-Codes.

Mit der Kraft der Magie

Magie ist ja immer so eine Sache. Denn egal, wie gut man sie einsetzen mag, es gibt immer Menschen, die etwas Böses damit anstellen wollen. So auch in der Welt von Ariana and the Elder Codex. Denn in diesem Szenario gibt es nichts, was nicht über Magie läuft. Du willst kochen? Machst du einen Feuerzauber auf den Herd und es funktioniert. Es ist mal wieder Badezeit? Na, dann blaue Wassermagie und los geht’s. All das dank der sieben Kodexe, die durch ihre Präsenz allen Wesen ermöglichen, Magie zu nutzen.

Es wurde also eine Welt geschaffen, in der nichts ohne Magie funktioniert. Doof nur, dass diese Bücher plötzlich gestohlen werden und die Welt über Nacht ins absolute Chaos gestürzt wird. Die einzige Hoffnung? Die Bibliothekarin Ariana. Denn sie kann dank einer (geschenkten bzw. ausgeliehenen) Feder als eine der wenigen Menschen weiterhin Magie anwenden und wird so auf die Mission geschickt, die Bücher wiederzufinden beziehungsweise zu reparieren, damit alles wieder ordnungsgemäß funktioniert. Wie passend, dass sie dabei auch noch nach ihren verschollenen Eltern suchen kann!

Ja, die Story von Ariana and the Elder Codex gewinnt keinen Innovationspreis. Viele Twists sind früh absehbar und auch das Ende kommt wenig überraschend. Allerdings nimmt sich das Spiel Zeit, seine Welt zu erklären. Jeder Kodex bringt dabei seine eigene kleine Geschichte mit, die Ariana als eine Art Beobachterin miterlebt. Diese Mini-Erzählungen gehören zu den stärkeren Momenten des Spiels und geben der Welt mehr Tiefe als die eigentliche Hauptstory.

Ariana – Die Bibliothekarin der Elemente

Der eigentliche Star von Ariana and the Elder Codex ist aber das Kampfsystem. Um die Bücher zu reparieren, stehen über 30 Zauber zur Verfügung, verteilt auf mehrere Elemente sowie einen neutralen Magiebaum. Das Problem: Man kann nur sechs Fähigkeiten gleichzeitig ausrüsten.

Da Gegner unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzen, kommt man kaum darum herum, zu experimentieren. Ist ein Gegner schwach gegen Feuer, stellt sich schnell die Frage: Was passiert, wenn ich Feuer mit Wasser kombiniere und eine Dampf-Explosion auslöse? Genau dieses Ausprobieren ist die Kernessenz des Spiels und funktioniert erstaunlich gut.

Das Kampfsystem entfaltet gerade in den ersten Stunden einen starken Flow. Combos gehen leicht von der Hand und die vielen Möglichkeiten sorgen für Motivation. Auch die Bosskämpfe zeigen, was wirklich im System steckt, denn hier muss man Angriffsmuster lesen und seine Fähigkeiten gezielt einsetzen.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es an Gegnervielfalt fehlt. Nach wenigen Stunden hat man bereits den Großteil der Gegner gesehen. Unterschiede ergeben sich meist nur durch Elemente oder Farben. Hat man einmal seine bevorzugte Kombination gefunden, kann man diese ohne große Anpassungen bis zum Ende durchziehen.

Die Menge an Gegnern kann je nach Gebiet zwar recht hoch sein, wirklich taktische Abwechslung entsteht dadurch aber selten. Das ändert sich erst bei den Regionsbossen. Diese ziehen den Schwierigkeitsgrad spürbar an und verlangen deutlich mehr Konzentration. Wer hier nicht mit seinen Fähigkeiten vertraut ist, sieht schnell das Zeitliche.

Zum Glück wird der Tod kaum bestraft. Die Checkpoints sind fair gesetzt und auch die Laufwege sind angenehm kurz. Das gilt ebenfalls für die Challenges, die allerdings sehr überschaubar bleiben. Es gibt im Grunde nur zwei Varianten: Gegner besiegen oder Zeitrennen absolvieren.

 

Wer suchet, der findet

Aufgelockert wird das Gameplay durch klassische Side-Scrolling-Passagen. Wirklich komplex wird es dabei aber nie. Oft reicht es, im richtigen Moment zu springen. Anspruchsvolle Rätsel sucht man vergebens.

Immerhin gibt es in den einzelnen Arealen kleinere Geheimnisse zu entdecken. Diese bestehen meist aus versteckten Wegen oder Truhen, sind aber oft recht offensichtlich platziert. Große Überraschungen bleiben aus.

Das war es schon?

Und so passiert es schnell, dass man Ariana and the Elder Codex innerhalb von zwei bis drei Abenden durchgespielt hat. Ohne Zeitdruck habe ich rund 12,5 Stunden gebraucht und dabei etwa 95 Prozent der Achievements freigeschaltet.

Das zeigt auch die größte Schwäche des Spiels: Nach dem Abspann gibt es kaum noch etwas zu tun. Keine geheimen Dungeons, kein New Game Plus, keine wirkliche Langzeitmotivation. Zwar wird ein möglicher Nachfolger angedeutet, aber das war es dann auch.

Gerade hier hätte man sich mehr gewünscht. Ein zusätzlicher Modus oder schwierigere Varianten wären ein nettes Extra gewesen.

Was viele nicht als Extra sehen, sondern dadurch aktiv Spiele nicht spielen ist eine deutsche Lokalisierung. Denn diese fehlt hier vollkommen. Auch wenn die englische und japanische Synchronisation ihren Job gut macht, sind es aber vor allem die englischen Texte, die bei den vielen Dialogen einigen mit Sicherheit wütend aufstoßen. Wie immer, eine verpasste Chance.

 

Pro
Contra
Spielspaß
Ariana and the Elder Codex (PC, Steam) 75%
Kurzweiliges und spaßiges Magie-Abenteuer, dem allerdings schnell die Mana ausgeht.

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