Review: Scarlet, der neue Film von Mamoru Hosoda

Mit Scarlet bringt Erfolgsregisseur Mamoru Hosoda nach Filmhits wie Belle und Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft am 24. Februar seinen nächsten Blockbuster in die hiesigen Lichtspielhäuser. Ob sich der Filmbesuch lohnt, zeigt diese Review!

Der visionäre, für den Oscar® nominierte Filmemacher Mamoru Hosoda („MIRAI – Das Mädchen aus der Zukunft“) präsentiert ein kraftvolles, zeitübergreifendes Animationsabenteuer über SCARLET, eine mittelalterliche Prinzessin, die mit dem Schwert kämpft und sich auf eine gefährliche Mission begibt, um den Tod ihres Vaters zu rächen. Doch ihre Mission scheitert und sie findet sich schwer verletzt in einer jenseitigen Welt wieder. Dort begegnet sie einem idealistischen jungen Mann aus unserer Gegenwart, der ihr nicht nur bei der Heilung hilft, sondern ihr auch die Möglichkeit einer Zukunft ohne Bitterkeit und Wut aufzeigt. Als sie erneut mit dem Mörder ihres Vaters konfrontiert wird, steht Scarlet vor ihrer größten Herausforderung: Kann sie den Kreislauf des Hasses durchbrechen und einen Sinn im Leben außer der Rache finden? (Synopsis via Sony Pictures)

Großen Dank an Sony Pictures und Limelight für die Einladung zur Pressevorführung. Gezeigt wurde Scarlet in japanischer Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln.

Der nächste Hit von Mamoru Hosoda?

War der Name Mamoru Hosoda vor allem Animefans ein Begriff, wurde er dank Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft, das für mehrere Academy Awards nominiert war, auch dem Mainstream bekannt und wird seit jeher mit Namen wie Makoto Shinkai oder Hayao Miyazaki gleichgesetzt. Sein letztes Werk, Belle aus dem Jahr 2021, war ein Aufwachbrief an die moderne TikTok- und YouTube-Generation und zeitgleich eine Anlehnung an ein westliches Märchen, genauer gesagt Die Schöne und das Biest. Mit Scarlet bringt der Regisseur nun ein weiteres Märchen auf die animierte Leinwand: Hamlet.

Und ja, schaut man sich Kritiken zum Film an, wird Scarlet sehr oft mit Hamlet verglichen. Erwartet man also eine japanische Interpretation des Schauspielstücks, wird man schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht: Mamoru Hosoda leiht sich eigentlich nur die Namen und hier und da einige überschneidende Storyabschnitte. Scarlet ist vielmehr eine weit ausgelegte Neuinterpretation – so wie es auch Belle war.

Mamoru Hosoda ist vor allem dafür bekannt, bestimmte Themen in seine Filme zu integrieren. Und ja, auch Scarlet bleibt davor nicht verschont. Bereits sehr früh zeigt die namensgebende Protagonistin, wohin der Film eigentlich gehen möchte. Von der ersten Szene, in der Scarlets Vater, König Amlet, von seinem Bruder Klaudius mit Hilfe eines Komplotts ermordet wird, bis hin zum letzten Moment sehen wir Scarlet wachsen und sich selbst hinterfragen.

Im Schattenlicht, …

Scarlet selbst versucht sich zunächst an einer Racheaktion, die allerdings schiefgeht. Sie stirbt und landet in der Anderwelt, einem Ort zwischen Leben und Tod. Bereits früh lernt sie dort Hijiri kennen, einen Rettungssanitäter aus der Neuzeit. Gemeinsam wollen sie aus der Anderwelt fliehen und dabei Klaudius stellen. Dabei steht öfter wahrlich Sidekick-Hijiri im Fokus, da er neben Scarlet auch ihre Feinde medizinisch behandelt.

Auch wenn das Ganze auf dem Papier interessant klingt und man durch wiederkehrende Charaktere aus Hamlet daran erinnert wird, worauf die Geschichte lose basiert, hat Scarlet dennoch erzählerische Schwächen, die man ab der Mitte des Films erkennt: Trotz eines klaren Endes weiß Hosoda nicht immer, wie er das komplexe Thema Rache mit der Mischung aus Fantasy und Moderne einheitlich verpacken kann. Auch Scarlet selbst bleibt emotional auf Distanz: Man beobachtet sie mehr, als dass man mit ihr fühlt.

Ich hatte während des Films öfter den Gedanken: „Was will man mir mit dieser Szene sagen?“ Und damit meine ich nicht einmal das Audiovisuelle. Vieles wirkt bisweilen zufällig, und es würde mich nicht wundern, wenn man hier und da mehrere Minuten kürzen könnte, ohne dass sich am Endergebnis viel ändern würde.

Es liegt dabei nicht einmal an den eindimensionalen Charakteren abseits von Scarlet. Dass ein Hijiri – nicht nur optisch – austauschbar wirkt, sei dahingestellt. Der Fokus der Geschichte ist nun einmal Scarlet, da ist es in Ordnung, dass sämtliche Charaktere eher Mittel zum Zweck sind.

Es wäre allerdings interessant zu wissen, wie ein Hosoda-Film mit der gleichen Thematik ausgesehen hätte, würde man nicht mit der Hamlet-Anlehnung arbeiten. Denn so wirkt Scarlet leider stellenweise austauschbar und generisch. Und das ist angesichts des Portfolios von Mamoru Hosoda durchaus die größte Kritik überhaupt, wirken viele seiner Filme doch sonst voller Ideen und Kreativität.

… zwischen den Welten

Und das ist durchaus schade, denn gerade optisch bietet Scarlet unheimlich viele tolle Momentaufnahmen, für die man gerne ins Kino geht. Auch wenn die Anderwelt als weitläufige Dürrelandschaft repräsentiert wird, wirkt der Film niemals eintönig oder langweilig. Auch wenn er nie die farbenfrohe Vielfalt eines Belle erreicht. Und da müssen wir wieder eine Brücke zur Geschichte reißen, denn diese Bilder schaffen es nie, eine große, emotionale Wucht zu erzeugen.

Natürlich muss man hier auch den Elefanten im Raum ansprechen, wofür Scarlet bereits bei der Ankündigung einiges an Kritik einstecken musste: das 3D-CGI.

Zunächst aber die gute Nachricht: Nein, der Film ist nicht komplett in CGI gehalten. Es gibt 2D-Szenen im Kagenashi-Stil, während die Geschehnisse in der Anderwelt in 3D umgesetzt sind. Man merkt, dass Hosoda seit Mirai immer mehr Gefallen an 3D-CGI gefunden hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass es – erneut mit Studio Chizu – bald einen komplett in 3D animierten Film von ihm geben wird.

Fantasy, Hamlet-Referenz, moderne Elemente – vieles ist in Scarlet vorhanden, aber nicht alles fügt sich organisch zusammen. So kann Hosoda nie seinen Kritikern beweisen, dass er mehr kann als einseitig bestimmte Themen zu fokussieren. 

Schauspaß
Scarlet 60%
Scarlet ist ein visuell eindrucksvoller Hosoda-Film mit starken Momentaufnahmen, dem es erzählerisch jedoch an Fokus und emotionaler Tiefe fehlt.

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