Review: Gundam Breaker 4

Mit Gundam Breaker 4 setzen Publisher Bandai Namco und Entwickler CRAFTS & MEISTER die beliebte Gundam Breaker-Reihe fort. Der Test zeigt, ob Hobby-Bastler mit diesem Titel auf ihre Kosten kommen oder ob die virtuellen Zangen umsonst ausgepackt werden!

Die letzten Videospiele des Mecha-Giganten Mobile Suit Gundam hatten es schwer. Gundam Evolution? Nach nur einem Jahr eingestellt. New Gundam Breaker? Hatte interessante Ansätze, aber die Online-PvP-Elemente stießen bei den Fans nur auf mäßige Begeisterung.

Auch ich muss zugeben, dass ich mit den wenigen Gundam-Spielen, die ich bisher ausprobieren konnte, meine Schwierigkeiten hatte. Gundam: Code Fairy bot zwar eine nette Singleplayer-Geschichte, aber die Kämpfe waren recht eintönig. Gundam Versus sah gut aus, hatte aber mit fehlendem Content zu kämpfen. Nun erhält Entwickler CRAFTS & MEISTER mit Gundam Breaker 4 erneut die Chance, die Herzen der Modellbau-Fans zu erobern.

Erstelle deinen eigenen ultimativen Gundam im neuesten Gundam Breaker!
Dank mehr anpassbarer Teile als je zuvor hast du endlich die Freiheit, deinen perfekten Gunpla zu bauen.

Teste ihn im Kampf mit dem brandneuen Doppelwaffensystem und breche Teile von deinen Feinden ab, um sie deiner Sammlung hinzuzufügen.

(Synopsis via Bandai Namco)

Wir wollen die Allerbesten sein!

Auf den ersten Blick bietet Gundam Breaker 4 viele der Elemente, die Gundam-Fans wichtig waren, aber in den letzten Spielen entweder vernachlässigt wurden (zum Beispiel das Zusammenstellen des eigenen Gundams) oder komplett fehlten (wie eine echte Einzelspieler-Erfahrung). Multiplayer-Experimente, wie man sie aus New Gundam Breaker oder Gundam Evolution kennt, wurden vollständig gestrichen und auf Koop-Gefechte reduziert.

Das man diese Kritikpunkte zu Herzen genommen hat, zeigt nämlich schon die Geschichte des Spiels. Diese dreht sich um die Open-Beta-Phase des fiktiven Spiels Gunpla Battle Blaze: Beyond Borders, kurz GBBBB oder GB4. Ihr spielt einen Neuling, der sich mit den Spielern Tao und Lin anfreundet und einen Clan gründet und so zur Nummer 1 in GB4 werden wollt.. Die Story beschäftigt euch je nach eigenem Spielstil etwa 13 – 18  Stunden und führt dabei eine Reihe von Charakteren ein, wie sie sich für Matches zusammentun und vieles mehr.

Zugegeben, die Story ist ziemlich eintönig und vorhersehbar. Auch die Charaktere wirken, als stammten sie direkt aus einem Baukasten für Anime-Figuren. Egal, ob es sich um die klassische stille Spielerin oder den Schönling handelt, der sichauf dem ersten Blick in eine Mitspielerin verliebt – man kennt’s aus Spielen und Anime (Hallo, .hack!). Und gerade vielleicht deshalb war ich auch motiviert herauszufinden, ob sich die neu formierte Gruppe aus den Gefahren, die entstehen, sich befreien kann. Zu hohe Erwartungen sollte man aber wirklich nicht besitzen: Jeder, der Bock auf eine dramatische oder spannende Geschichte hat, wird enttäuscht.

Und wie spielst sich Gundam Breaker 4 nun?

Auch wenn der Storymodus nicht auf Anhieb begeistert, ist er ein wichtiger Bestandteil des Spiels, da er euch mit allen relevanten Gameplay-Mechaniken des Third-Person-Actionspiels vertraut macht, die ihr im Endgame – alleine oder gemeinsam – anwenden könnt.

Spielerisch zeigt der Storymodus bereits in den ersten Minuten, wie Gundam Breaker 4 funktioniert. Sobald ihr euch mit eurem Alter Ego (oder eher Mecha) für eine Mission entschieden habt, werdet ihr mit zwei Begleitern in eine Mission teleportiert, die aus drei Wellen besteht. Eure Aufgabe? Feindliche Gunpla zerstören! Mit wenigen Ausnahmen, wie dem Verteidigen eines Raumschiffs oder dem Zerstören bestimmter Gebäude, bleibt dies eure Hauptaufgabe. Wirkliche Herausforderungen bieten nur die großen Bossgegner, bei denen ihr ihren Attacken ausweichen und euch etwas anpassen müsst. Mehr als Attacken ausweichen und Schwachpunkte ist da aber nicht drin.

Ein Traum für Gunpla-Enthusiasten und jene, die es werden wollen

In diesen – zugegeben repetitiven – Missionen, in denen ihr massenhaft Gegner in ihre Einzelteile zerlegt, entfaltet sich der Reiz von Gundam Breaker 4: der massive Drang zur Anpassung.

Jeder besiegte Gegner hinterlässt eines der elf Teile eines Gunpla-Kits, unterteilt in Arme, Brust, Kopf, Beine, Nah- und Fernkampfwaffen sowie Fähigkeiten. Habt ihr also eine Mission erledigt und dabei 30 Gunpla zerstört, erhaltet ihr auch 30 verschiedene Teile. Insgesamt gibt es über 250 Gunpla-Kits im Spiel.

Die Teile sind dann in Level und Seltenheitsgraden eingeteilt. Dieser bestimmt, wie viele Eigenschaften ein Kitstück hat. Während ihr zu Beginn der Geschichte etwa nur Teileb is zur Seltenheitsstufe drei mit drei Charakteristika erhaltet, sind es am Ende der 20 Stunden Bauteile der Stufe sechs mit über zehn solcher passiven Fähigkeiten.

Das Spiel gibt euch außerdem die Möglichkeit, diese zu synthetisieren, sodass ihr etwa eine starke Fähigkeit eines Kopfstücks auf den Torso übertragen könnt. Habt ihr also einen Torso gefunden, der euch nicht nur optisch gefällt sondern auch die nötigen Statistiken und Fähigkeiten hat, könnt ihr schwächere Teile zum Aufleveln verwenden. Dadurch werden diese aber verbraucht bzw. zerstört.

Spielspaß zwischen Grind und vielen Zahlen

So oder so: Schon sehr früh in der Kampagne werdet ihr mit dem Statistiküberdruss von Gundam Breaker 4 vertraut gemacht. Das fängt schon mit den exklusiven Fähigkeiten an, dessen Anzahl an dem Seltenheitsgrad gekoppelt ist und endet mit den unzähligen Eigenschaften an, die dem eigenen Mecha passiv verschiedenste Boni gibt.

Fertigkeiten, hier OP und EX-Skills genannt, die ihr aktiv im Kampf über die Schultertasten einsetzen könnt, sind zudem an die Gunpla-Teile gebunden. So gibt es etwa Fernkampfattacken mit dem Maschinengewehr des Kopfes nur bei Bauteilen, die auch in der Vorlage  Munition verschießt. Auch wenn man die Skills durch Synthethisierung weitervererben kann, gibt es je nach Bauteile die Möglichkeit, dass euer Ergebnis diese Fähigkeit nicht mehr besitzt.

Da ihr in den Kämpfen zwei Nah- und Fernkampfwaffen mitnehmen könnt, lädt das Spiel euch auch ein, verschiedene Waffen- und Kampfstile auszuprobieren.

Schade ist aber, dass sich diese vielschichtigen und auch in der Menge sehr umfangreichen Fähigkeiten hinter allerlei Begriffen und einer Vielzahl von Zahlen versteckt. Gerade am Anfang ist man mit Dingen wie „xy“ maßlos überfordert und wählt das aus, was den höchsten Level bietet und die Zahlen besser sind als das, was man gerade ausgerüstet hat.

Damit man aber nicht zum endlosen Grind eingeladen wird um alle gut bestückten Teile zu sammeln, gibt euch Gundam Breaker 4 mit dem Abschließen einer Mission auf dem S-Rang die Möglichkeit, durch sogenannte Booster in der nächsten Mission mehr und seltenere Gunpla-Teile zu finden.

Jeder Komplett-Umbau eures Mechas fühlt sich dann im Kampf aber auch sehr stark anders an. Das sorgt dann immerhin für ein frisches Spielerlebnis. Ein Button, der automatisch die besten Parts aussucht wäre hier allerdings die beste Möglichkeit gewesen, um den fast schon Excel-anmutenden Statistiken einen Riegel vor zu setzen; da reichen dann auch die umfangreichen Sortiermöglichkeiten nicht aus.

Auch optisch ein zweischneidiger Laser Beam

Inhaltlich kann Gundam Breaker 4 zwar überzeugen, aber es wurde gerade optisch sehr viel Potenzial verschenkt. Ja, die Gunpla-Boxen und -Modelle sehen richtig gut aus. Und ja, auch die Kämpfe können durch die vielen Effekten durchaus überzeugen. Ist man aber gerade nicht am Kämpfen sieht man erst, wie mager die kleinen Dungeons eigentlich designt sind. Egal ob es sich um die pixelige Skybox oder den flachen Texturen handelt: Praktisch alles abseits der Gundam erinnert an ein frühes PlayStation 4-Spiel. Gerade für die Immersion finde ich es außerdem sehr schade, dass die wenigen Karten, auf denen Gebäude platziert wurden, nicht zerstörbar sind.

Die KI ist übrigens auch nur auf den höheren der fünf Schwierigkeitsgraden erwähnenswert, wenn diese massiven Schaden am eigenen Gundam verursachen. Ansonsten stehen die KI-Gegner nur dumm herum und reagieren hin und wieder durch zwei drei Movesets auf eure Aktionen.

Gunpla-Freunde müsst ihr sein

Abseits von den (jederzeit wiederholbaren) Story-Missionen und Quests um den höchsten Highscore für Gunpla-Teile erwartet euch bei Gundam Breaker 4 eine umfangreiche Screenshot-Funktion mit allerlei Posen. Auch die Diorama-Funktion, mit der ihr allerlei Schlachten und Gunpla-Szenen nachstellen könnt ist erfreulich mächtig aufgestellt und lädt euch ein, mehrere Stunden darin zu versenken.

Sind euch die Kämpfe alleine zu langweilig, gibt euch das SPiel die Möglichkeit freme Lobbys zu besuchen und deren Eigenbauten anzuschauen. Natürlich könnt ihr auch die zwei KI-Teamkameraden mit menschlichen Freunden und Spielern austauschen. Gemeinsam auch Teilejagd zu gehen macht schließlich auch in anderen Genre Spaß!

Pro
Contra
Spielspaß
Gundam Breaker 4(PC, Steam) 76%
Gundam Breaker 4 bietet für Gunpla-Enthusiasten neben einer großen Spieltiefe auich allerlei Anpassungsmöglichkeiten für das perfekte Gunpla-Modell. Alle anderen werden mit dem spaßigen, aber monotonen Gameplay und der seichten Geschichte ihre Probleme mit der Langzeitmotivation haben.

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