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Die Produktion eines Anime: Die Kunst des Sakuga

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Mit zunehmendem Animekonsum befasst man sich normalerweise immer mehr mit der Materie – Begriffe, welche einem noch nie unter die Leute gekommen sind, sind da teilweise an der Tagesordnung. Und doch besitzen diese Begriffe eine große Bedeutung. Heute möchte ich über das Sakuga sprechen. Sakuga ist in der Ausführung geläufiger als man denkt, wo doch gerade der geneigte Animefan doch so sehr auf die optische Qualität achtet, rutscht diese Animationskunst schnell unter den Radar.

Teil 6 meiner Reihe „Die Produktion eines Anime„.

Was ist Sakuga?
Vereinfacht gesagt beschreibt Sakuga das Wort „Animation“. Damit meint man das Animieren während der Produktionsphase.

Wo wird Sakuga verwendet?
In der herkömmlichen Produktions bzw. Animationsphase wird desöfteren „geschummelt“, so wird nicht jeder einzelne Frame animiert; manchmal sogar nur der Mundwinkel. Um dies genauer zu erklären muss ich ein bisschen weiter ausholen:

Jeder TV-Anime (oder generelle TV-Sendung) sendet auf einer bestimmter Bildwechselfrequenz. Anime werden in Japan grundsätzlich auf 24 FPS produziert, wobei wichtige Elemente mit 12 Frames, aber Hintergründe mit 6 Frames animiert werden. Frames zeigen an, wie viel Bilder pro Sekunde gezeigt werden. Unterschieden werden in der Produktion zwischen „Ones“, „Twos“ and „Threes“. Noch nie davon gehört? Hier eine genauere Erklärung:

Die Abfolge bei „Ones“ (24fps) lautet:
1-2-3-4-5-6-7-8-9-10-11-12-13-14-15-16-17-18-19-20-21-22-23-24 / 24 Einzelbilder
für eine Sekunde Anime. Hierfür kann man computergenerierte Anime als Beispiel nehmen, mein Favorit hierfür wäre aktuell Land of the Lustrous:

Müsste man diesen Standard bei „normalgezeichneten“ Anime einsetzen, wäre das jeweilige Studio ziemlich überfordert. Demzufolge müsste eine Episode im Durchschnitt 15.000 einzelne Frames besitzen – für 24 Minuten.

Die Abfolge bei „Twos“ (12fps) lautet:
1-3-5-7-9-11-13-15-17-19-21-23 / 12 Einzelbilder
für eine Sekunde Anime, wobei diese doppelt verwendet werden. Bild 1 folgt auch auf der Stelle von Bild 2, Bild 3 folgt auch auf der Stelle von Bild 4 usw.

Ein Beispiel für solche wäre zum Beispiel das Captain Future-Opening von 1978:

Twos sind die geläufigste Form in der heutigen Animeindustrie, jedoch kann man dies als Orientierung nehmen und nicht als Standard. Die durchschnittliche Frameanzahl beträgt hierbei circa 3.000 – jedoch gibt es von Anime zu Anime Unterschiede. So hat Neon Genesis Evangelion in der ersten Folge eine Frameanzahl von genau 700, während Angel Beats! knapp 11.00 verwendet – nur in der ersten Episode.

Die Abfolge bei „Threes“ (6fps) lautet: 1-5-9-13-17-21 / 6 Einzelbilder
für eine Sekunde Anime, wobei diese vierfach verwendet werden. Bild 1 folgt auf der Stelle 2-4, Bild 5 auf der Stelle 6-8, usw.

Hierfür nutze ich das Opening von Captain Harlock, ebenfalls aus 1978.

Gerade ältere Anime nutzen sehr viele Threes, wodurch das Gerücht entstanden ist, dass eben einige alte Anime viele Standbilder besitzt.

Jedoch ist der Zweck von Sakuga nicht nur das Verschönern von Szenen, auch für die Regie kann Sakuga genutzt werden um Emotionen oder essentielle Storyelemente besser zum Tragen zu bringen.

Wenn eine Serie als „Twos“ produziert werden soll, wird Sakuga von überschüssigem Budget verwendet um jene Szenen hervorzuheben. Neben emotionalen Momenten, steht vor allem die Action im Vordergrund.

Wo eigentlich immer Sakuga verwendet wird, ist in den musikalischen Einleitungen sowie dessen Gegenpart – dem Outro. Schließlich sind dies oft die entscheidenden Momente, ob ein Anime überhaupt angeschaut wird.

Ein sehr gutes und immernoch aktuelles Beispiel ist das Yuri!!! on Ice Opening. Hier hat der Chief Director Seong Ho Park mit der Hilfe von Tadashi Hiramatsu (u.a. Key Animation in Ghost in the Shell: Stand Alone Complex, Beck OP) etwas geschaffen, welches die Eleganz von Eiskunstlauf perfekt im Opening wiedergibt.

Am Ende ist Sakuga jedoch eines – des Animators Handschrift. Jeder Animator, welcher bestimmte Szenen hervorhebt kann sich dadurch im Werk persönlich verewigen.

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Ich hoffe euch hat der kleine Kurs über Sakuga gefallen – das Thema ist sehr vielseitig und unheimlich interessant da es sich mit vielen Themen verknüpfen lässt. Für mich ist es so, seitdem ich von Sakuga mitbekommen habe achte ich viel mehr auf das, was im Anime selbst passiert – ich will selbst diese Handschrift der Animatoren erkennen.

Übrigens – ich bin nun auf Twitter! Wer mag, darf mir gerne folgen. Noch ist alles neu und unbekannt für mich, aber ich arbeite mich rein – auch ein Bild etc kommt noch. xD

1 KOMMENTAR

  1. Schöner Artikel zu einem interessanten Thema.

    Werde dann wohl auch mal in die anderen Teile der Reihe reinlesen.

    Persönlich würde mir das Thema sogar noch ausführlicher wünschen, da es eben so eine große Bandbreite dienen kann, was natürlich aber auch ziemlich viel Einarbeitungszeit erfordert. Und ist natürlich fraglich, wie sehr normale Animefans sich damit überhaupt beschäftigen wollen.

    Und ein, zwei Kritikpunkte hätte ich vielleicht noch beim Ausdruck des Artikels, was aber auch mein persönlicher Geschmack sein könnte.

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